Deutschland gilt internationale als Vorbild in Sachen Energiewende. Tatsächlich kann dies aber nur für den Ausstieg aus der Atomenergie und den Ausbau der Erneuerbaren Energien gelten. Denn bei den besonders klimaschädlichen Kohlekraftwerken spielt Deutschland eine eher unrühmliche Rolle. Während nämlich Länder wie Kanada, Frankreich und Großbritannien längst einen konkreten Ausstiegstermin beschlossen haben, konnte sich die Bundesregierung dazu bisher nicht durchringen. Die neue Landesregierung in Schleswig-Holstein hat nun allerdings verkündet, mit gutem Beispiel voranzugehen: Das letzte noch aktive Kohlekraftwerk in dem Bundesland – das Heizkraftwerk Wedel – soll noch in dieser Legislaturperiode abgeschaltet werden. Darauf einigten sich CDU, FDP und die Grünen in ihrem Koalitionsvertrag.


Soll innerhalb von fünf Jahren vom Netz gehen: Das letzte Kohlekraftwerk in Schleswig-Holstein. Foto: By Hannes Grobe (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Das Kraftwerk ist vor allem für die Versorgung Hamburgs von Bedeutung

Einfach schließen kann die Regierung das Kraftwerk allerdings nicht. Denn zum einen wird es von dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall betrieben. Zum anderen werden durch das Kraftwerk auch Teile von Hamburg versorgt – eine Abschaltung muss also auch mit der dortigen Regierung abgestimmt werden. Die Minister in Schleswig-Holstein haben daher beschlossen, unverzüglich Gespräche mit dem Betreiber und dem Nachbarland aufzunehmen, um zeitnah zu einer Lösung zu kommen. Schleswig-Holstein selber ist auf die Energie aus der Kohle nicht angewiesen. Das Land gehört zu den größten Produzenten von Windkraft in Deutschland. Schon heute wird dort theoretisch ausreichend Windstrom produziert, um die gesamte Stromnachfrage zu decken.

Die Windenergie bleibt weiterhin im Fokus der Politik

Dies soll auch zukünftig so bleiben. Im Koalitionsvertrag wurde daher festgelegt, dass auch weiterhin zwei Prozent der Landesfläche für den Bau von Windrädern zur Verfügung stehen soll. Allerdings wurde ein neuer Mindestabstand zu besiedelten Gebieten beschlossen: Wohnhäuser müssen mindestens 600 Meter, Siedlungen sogar 1.000 Meter entfernt sein. Damit geht Schleswig-Holstein nicht ganz so weit wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen. Dort soll zukünftig ein Mindestabstand von 1.500 Metern gelten. Der Bundesverband Windenergie zeigte sich daher mit dem Ergebnis der Koalitionsverhandlungen in Kiel durchaus zufrieden. Auch neue Wege der Mobilität sollen in Schleswig-Holstein zukünftig stärker gefördert werden: Für den Ausbau der Infrastruktur für Elektroautos und des Radwegenetzes stellt die Jamaika-Koalition jeweils zehn Millionen Euro zur Verfügung.


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