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Schnelltest: Tumore intraoperativ innerhalb weniger Minuten mit dem Samrtphone nachweisen

Die Untersuchung von Gewebeproben auf maligne Tumorzellen kostet Zeit. Das ist kein Problem, wenn lediglich Gewebe aus einer Biopsie untersucht werden soll, aber wenn es um Gewebe geht, dass einem Patienten während einer Operation entnommen wurde, dann ist jede Minute bei der Diagnose wichtig. Denn ohne Kenntnis über die Natur des Gewebes kann die Operation häufig nicht fortgesetzt werden, der Patient liegt daher länger offen auf dem Operationstisch, die Infektionsgefahr steigt dementsprechend. Wissenschaftler der Fraunhofer Institute haben nun einen auf Antikörper basierenden Schnelltest entwickelt, der es dem Operateur erlaubt, die Gewebeprobe direkt im OP-Saal zu untersuchen.

Die Differenzierung zwischen gesunden und kranken Zellen soll sogar mit dem Smartphone möglich ein. Foto: Fraunhofer IAP

Die Differenzierung zwischen gesunden und kranken Zellen soll sogar mit dem Smartphone möglich ein. Foto: Fraunhofer IAP

Mit Antikörpern Krebszellen erkennen

Die Ränder von Tumoren zu bestimmen ist oft alles andere als einfach und manchmal nur über histologische Gewebeuntersuchungen zu bestimmen. Diese Aufgabe wird von einem Histologen übernommen, einem speziell ausgebildeten Fachmann. Diese Bestimmung kann einen Zeitraum von einer Stunde bis mehrere Tage in Anspruch nehmen. In ersterem Fall bleibt der Patient auf dem Tisch, in ersterem muss der Chirurg den Einschnitt wieder schließen und die OP gegebenenfalls nach der Bestimmung wiederholen. Beide Varianten sind mit Risiken für den Patienten verbunden. Ein Team rund um Dr. Dr. Joachim Storsberg vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam-Golm hat einen polymerbasierten Schnelltest entwickelt, mit dem der Chirurg direkt während der OP innerhalb weniger Minuten Gewebeproben untersuchen kann.

Der Test funktioniert visuell mit einem einfachen Mikroskop, unter dem der Chirurg ohne tiefergehende histologische Ausbildung Tumorzellen von gesunden Zellen differenzieren kann. Die Verwendung des Tests im OP-Saal spart Zeit und Kosten. “Untersuchungen haben gezeigt, dass auf Tumorzellen Rezeptoren sitzen, an denen bestimmte, speziell gezüchtete Antikörper anhaften – zum Beispiel Östrogen-Antikörper an Brust-Karzinomen. Mit Hilfe dieser ›Immundiagnostika‹ ist der Chirurg innerhalb weniger Minuten in der Lage nachzuprüfen, ob alles kranke Gewebe entfernt wurde. Einmal auf die Gewebeprobe gesetzt, machen sich die Antikörper eigenständig auf die Suche nach ihrem Gegenpart – die für sie typischen Rezeptoren,” so Storsberg.

Während des Tests trägt der Chirurg Antikörper auf die Gewebeprobe auf und gibt eine farbige Wasserlösung hinzu, mit der einzelne Enzyme des Antikörpers oxidieren. Wenn sich die Lösung an einer Stelle der Gewebeprobe verfärbt, sind dort noch Tumorzellen vorhanden. Durch Variation und Kombination der Antikörper kann der Test an verschiedene Tumorarten angepasst werden. Im Anschluss wird als Gegenprobe eine Lösung verwendet, die gesunde Zellen einfärbt.

Krebs als Todesursache

Das Team arbeitet momentan daran, den Test noch weiter zu verbessern. Die farblichen Kontraste sollen derart deutlich werden, dass der Unterschied sogar mit einem einfachen Smartphone ermittelt werden kann.

2013 starben 25 Prozent aller verstorbenen Personen an einem Krebsleiden. Mit 223.000 Todesfällen ist Krebs somit Todesursache Nummer 2 in Deutschland – nach Herz-Kreislauferkrankungen. Im Jahr 2009 gab die Europäische Union (EU) insgesamt 126 Milliarden Euro aus, um Krebspatienten zu behandeln. Natürlich können diese Zahlen durch den neuen Test nicht gravierend verändert werden, aber eine schnelle Erkennung von Tumorgewebe könnte die Zahl von wiederkehrenden Tumoren sowie das allgemeine Risiko für den Patienten senken.

via Fraunhofer Institute

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