Selbstgedruckte 3D-Karten helfen Sehgeschädigten

Riesengroße Straßenkarten sind beinahe schon in Vergessenheit geraten. Wer heute nach dem richtigen Weg sucht, wird in aller Regel eine der zahlreichen Online-Karten nutzen. Dort kann man beinahe jeden Ort der Welt als klassische Kartenansicht oder per Satellitenbild ansehen. Im Zweifel kann man dann die gewünschte Route einfach ausdrucken. Klassische Karten in Papierform können da schon lange nicht mehr mithalten. Für Sehgeschädigte ist die Situation allerdings nicht ganz so einfach. Wie die „Geospatial Information Authority of Japan“ (via ajw.asahi) berichtet, waren diese bisher auf die Offlinebestellung spezieller Papierkarten angewiesen.

3D-Karten zum selber drucken für Blinde (Susumu Yoshida)

Jetzt allerdings hat die Behörde ein Programm entwickelt, mit deren Hilfe Sehgeschädigte in die Lage versetzt werden sollen, geeignete Ausdrucke selbst anzufertigen. Die Software liest dabei eigenständig die Onlinekarte aus und unterscheidet zwischen Straßen, Autobahnen, Schienen, Flüssen und der restlichen Umgebung. Diese werden dann dreidimensional hervorgehoben und durch markante Unterscheidungen gekennzeichnet. Straßen sind so beispielsweise leicht gepunktete Linien, während Schienen durchgehende Erhebungen sind. Für Städte wird dabei der Maßstab 1:2500 verwendet, für ländliche Gebiete 1:25000.

Kosten: Gut ein Euro pro Druck

Anschließend kann das Ganze mit Hilfe eines 3D-Druckers auf eine Kunstharzplatte gedruckt werden. Die so erstellte Karte ist dann – mit ein bisschen Übung – für Sehbehinderte nutzbar. Die langwierige Bestellung von speziellen Papierkarten erübrigt sich. Auch die Kosten für den Druck an sich halten sich in Grenzen. Das benötigte Material kostet gut einen Euro pro Druck. Bisher allerdings dürften die wenigsten einen eigenen 3D-Drucker zu Hause haben – oder auch nur regelmäßigen Zugang zu einem.

Die japanischen Behörden gehen aber von einer zunehmenden Verbreitung der neuen Drucker aus und wollen bis dahin an einer ständigen Verbesserung der Software arbeiten. So ist geplant, wenn man schon dreidimensionale Karten druckt, auch die Topographie des Geländes – sprich: Hügel und Täler – darzustellen. Auch dies würde den Sehbehinderten die Orientierung enorm erleichtern. Zudem soll getestet werden, welche weiteren Details den Karten noch hinzugefügt werden können. Dabei muss allerdings bedacht werden, dass die Drucke auch nicht zu komplex werden dürfen – die Nutzer müssen sich ja darauf auch noch zurechtfinden.

Wegbeschreibung in Braille-Schrift möglich

Angedacht ist zudem die Nutzung von Braille-Schrift. Da diese ebenfalls aus dreidimensionalen Punkten besteht, ließe sich dies technisch leicht umsetzen. So könnte beispielsweise die Wegbeschreibung mit auf die Karte gedruckt werden. Tetsuya Watanabe, einer der das Projekt unterstützenden Wissenschaftler hat zudem eine weitere Anwendungsmöglichkeit im Auge. Sollten die Karten in der Lage sein auch Topographien abzubilden, könnten sie zum Einsatz kommen, um Sehbehinderten das richtige Verhalten bei Naturkatastrophen – wie Tsunamis und Erdbeben – zu erläutern.