Singapur testet Energienetze der Zukunft auf einer Müllinsel

Vor der Küste des Stadtstaats Singapurs gibt es eine Insel, die zur Lagerung von Müllasche aus den Verbrennungsanlagen der Stadt dient. Um diesen Raum weiter sinnvoll zu nutzen, lässt die Stadt Singapur auf der Insel jetzt Experimente mit kleinen Stromnetzen durchführen.

Stromtests auf der Müllinsel

Das Inselpaar Semakau und Pulau Sakeng beherbergte früher ein Fischerdorf und einen kleinen Polizeiposten. Seit 1987 jedoch sind die Inseln, die mit einem Damm verbunden sind, unbewohnt und die Stadt Singapur lagert dort seit 1999 die Asche aus den Müllverbrennungsanlagen der Stadt. Täglich bringen die landesüblichen Schuten 550 Tonnen Asche auf die Inselgruppe, die dann mit Lastern verteilt werden. Jährlich kommen so 200.000 Tonnen Asche auf die Inseln, die weltweit die erste Müllkippe auf dem offenen Meer sind. Bis zum Jahr 2035 soll es Platz für mehr Asche geben.

Aber nachdem Singapur sich inzwischen auf Geheiß der Regierung zu einer Smart Nation entwickelt, wollte der Stadtstaat mehr mit den Müllinseln anfangen. Das Wirtschaftsförderung Economic Development Board (EDB) von Singapur stellt auf der Insel deshalb nun 6 Hektar Land für den Test von Micro-Grids bereit. Die Stromnetze speisen sich aus Sonne, Wind und bald Gezeiten und Biogas und können mit Batterien Versorgungslücken ausgleichen. Auch eine Meerwasserentsalzungsanlage ist in Planung, die dann mit dem grünen Strom versorgt werden soll. „Für diese selbstversorgenden Mini-Netze gibt es weltweit einen riesigen Markt. Aber trotz aller Feldversuche in irgendwelchen Ecken der Welt gibt es nirgends ein so abgeschlossenes Feld wie eine ganze Insel, auf der wir unter echten Bedingungen alle Anlagen gegeneinander testen können“, so Roch Drozdowski-Strehl, der die Versuche im Auftrag der Technischen Universität Nanyang (NTU) koordiniert.

PlayStation 4 Pro – Konsole (1TB)
Preis: 370,00€
Zuletzt aktualisiert am 20.11.2017

Kleine Stromnetze unter widrigen Bedingungen

Die Müllinseln sind der perfekte Testort für die Mini-Netze. Hohe Temperaturen, Feuchtigkeit, Tropenstürme und Nager, die die Kabel angreifen, setzen den Anlagen zu. Netze, die sich hier bewähren, können langfristig in ganz Asien Dieselgeneratoren ersetzen. „Wir testen hier unter realen Bedingungen Geräte, die wir später in der ganzen Region einsetzen wollen“, so Etienne Drouet, Direktor des Labors des französischen Energieanlagenbauers Engie in Singapur. Auf der Insel operieren nun unter anderem Schneider Electric, General Electric oder die japanische Murata Manufacturing. Dutzende andere Unternehmen haben bereits Interesse bekundet.

Und auch Singapur zieht natürlich Profit aus den Tests. Der Stadtstaat hofft, hier lernen zu können, wie er ganze Industrieparks und Stadviertel mit grüner Energie versorgen kann.

In Südostasien leben etwa 120 Millionen Menschen ohne Strom. Für gut durchdachte Energielösungen gibt es damit einen riesigen Markt, auf dem sich einiges an Profiten machen lässt. „Der Bedarf an Micro-Netzen in ländlichen Gebieten und auf Inseln wächst um jährlich 23 Prozent“, so Drozdowski-Strehl.