Auch wenn der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Violeta Bulc, in der EU-Kommission für Verkehr zuständig, sich irgendwie geeinigt haben: Noch ist die Maut für Pkw nicht in trockenen Tüchern. Mehrere Nachbarn wollen dagegen klagen, und die Aussichten sind gut, dass sie Recht bekommen. Auch das jetzige Konstrukt benachteiligt Ausländer. Was also läge näher als europaweit eine Maut einzuführen, zumal die Europäische Union genau das anstrebt? Die Technik ist vorhanden. In der Slowakei wird sie bereits genutzt, in Teilen Frankreichs und der Schweiz auch. Sitraffic Sensus heißt das Verfahren, das Siemens entwickelt hat. Es kommt ohne Vignetten und Kontrollpunkte auf den Straßen und Autobahnen aus. Ein Satelliten-Navigationsgerät erfasst jeden gefahrenen Kilometer und die Art der jeweils benutzten Straße. Regelmäßig meldet das in der On Board Unit ebenfalls enthaltene Mobiltelefon die Fahrtroute. Eine Zentrale wertet sie aus und zieht die fälligen Gebühren ein.


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© Siemens AG

Schleichwege lassen sich versperren

Das System ist äußerst flexibel. Um beispielsweis Ortsdurchfahrten zu entlasten, die als Abkürzung von Lkw genutzt werden, müssen dort lediglich die Gebühren angehoben werden. Das geht mit ein paar Mausklicks. Auf dem Display der On Board Unit kann der Fahrer den jeweiligen Tarif ablesen. Sie wertet die Daten aller Satelliten-Navigationsysteme aus. Das sind das GPS, das die USA betreiben, Glonass, das Pendant der Russen, und künftig Galileo, das europäische System, das 2017 in Betrieb gehen soll. Das Elektronikkästchen berücksichtigte auch vorhandene Erfassungssysteme wie das in Österreich, das mit Mikrowellenstationen arbeitet.

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Sitraffic Sensus von Siemens ist das ideale Mautsystem für heutige Bedürfnisse.

Vielfahrer zahlen mehr

Eine solche Erfassung ist gerechter als sämtliche andere Verfahren, weil nur für tatsächlich gefahrene Kilometer gezahlt werden muss. Vielfahrer müssen mehr berappen als diejenigen, die ihr Auto nur für den Sonntagsausflug nutzen. Zudem ist, anders als bei Dobrindts` System, der Verwaltungsaufwand gering. Skeptiker glauben, dass die deutsche Maut im Endeffekt wegen der hohen Verwaltungskosten praktisch nichts einbringt.


Das Kästchen dürfte, in Massen hergestellt, kaum 100 Euro kosten. Wenn es gleich serienmäßig in Neuwagen eingebaut würde, wäre es noch billiger. Sitraffic Sensus entspricht den Anforderungen des European Electronic Toll Service, einer von der Europäischen Kommission definierten Richtlinie, in der Grundsätze für ein internationales Abkommen zur Schaffung eines europäischen elektronischen Mautdienstes festgelegt sind.

Angst vor dem gläsernen Autofahrer

Es gibt nur einen Einwand: Wenn die Daten missbraucht werden, könnte ein Bewegungsprofil erstellt werden. Doch das klappt auch mit Mobiltelefonen.

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