Die Themen Smart-Home, vernetzte Küchen und intelligente Stromverwaltung schwirren bereits seit einiger Zeit durch das Internet. Derlei komplexe Technologien, die eher auf Hintergrundprozesse setzen und die der Verbraucher nicht sofort mit einer Emotion verbinden kann, sind in der Regel nicht ganz so spannend für ein breites Publikum. Und dennoch ist Smart-Home ein hoch interessantes und vielfältiges Thema. Der Trend zum vernetzten Zuhause sorgt zudem für Chancen, neue Jobs aber auch Sicherheitsbedenken. Was sich genau hinter Smart-Home verbirgt, welchen Nutzen die Technologie liefert und was den Ottonormalverbraucher wirklich reizt, wollen wir uns anhand wichtiger Fragen über die Zukunft von Smart-Home einmal näher anschauen.


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Was sich genau hinter Smart-Home verbirgt, welchen Nutzen die Technologie liefert und was den Ottonormal-Verbraucher wirklich reizt, wollen uns anhand wichtiger Fragen über die Zukunft von Smart-Home einmal näher anschauen.


1. Löst Sprachsteuerung die Schalter und Touchscreens ab?

Amazon Echo soll vermehrt in unsere vier Wände einkehren. Es handelt sich hierbei um einen smarten Lautsprecher, der per Sprachsteuerung Reisen buchen, das Wetter überprüfen und Verbrauchsgüter wie auch Alltagsgegenstände online bestellen kann. Die Interaktion funktioniert ausschließlich per Sprachsteuerung. Als Sprachassistentin ist Amazons Alexa-Software installiert. Alexa funktioniert schon recht gut. Wir haben den smarten Lautsprecher bei KAYAK bereits in Aktion gesehen.

Amazon Echo im Video

Dash-Button und Tastschalter

Mit der Entwicklung von intelligenten Sprachassistenten und Chatbots könnte man meinen, dass Touchscreens und Schalter schon bald der Vergangenheit angehören. Dem ist bisher allerdings nicht so. Schließlich testet Amazon gerade die Dash-Buttons, dabei handelt es sich um einfache Schalter, mit denen man per Knopfdruck bequem und schnell online bestellen kann. Die Dash-Buttons beschränken sich auf genau eine Funktion. So lassen sich mittels Knopfdruck beispielsweise Toilettenpapier oder auch Geschirrspültabs nachkaufen. Ein weiteres denkbares Szenario ist, dass bestimmte Wandabschnitte oder ganze Gegenstände zu Bedienoberflächen werden können. So ließe sich die Musik während eines Abendessens mit mehreren Gästen einfacher per Wischgeste über die Tischkante regulieren anstatt per Sprachassistent, der aufgrund der gemischten Geräuschkulisse Schwierigkeiten bei der korrekten Interpretation bekommen dürfte.

Die Zukunft gehört also nicht nur den intelligenten Sprachassistenten, sondern auch den smarten Tast-Schaltern, die genau definierte Funktionen übernehmen. Die Kunst ist es dann, die Tastschalter auch sinnvoll zu platzieren und entsprechend zu benutzen. Per Amazon Dash-Button lässt sich schon jetzt beispielsweise Kaffee nachbestellen.

Roboterküche

Sensorik

Ein weiteres großes Thema im Hinblick auf Smart-Home-Steuerung ist die Anwesenheits- und Positionserfassung von Personen und Geräten im Raum. So können Heizungen, Licht und Musik mit Sensorik bestückt und automatisch geregelt werden sowie auf das Umfeld reagieren. In Zukunft soll diese Unterstützung auch über das eigene Gebäude hinausgehen. So können die Einstellungen, wie das Umfeld auf meine persönlichen Gegebenheiten reagieren soll, auch in andere Immobilien mitgenommen werden. Vorausgesetzt natürlich, dass eine ähnliche und kompatible Technologie verwendet wird.

Smart-Home-Szenario

Ganz spannend beim Thema Smart-Home ist auch die Abwesenheit. Ist man zwei Tage auf Geschäftsreise, registrieren die Sensoren die Abwesenheit, regeln die Heizung herunter und schalten zusätzlich nicht benötigte Geräte aus. Wenn man dann abends zurückkehrt, wird alles wieder hochgefahren, und das Smart-Home weiß vielleicht auch anhand von Smartphone-Daten, dass der Hausherr noch nichts gegessen hat und bestellt gleich beim Lieblingschinesen. Somit dürfte auch Sensorik ein weiteres Feld der Smart-Home-Steuerung einnehmen.

Wie sicher ist mein smartes Türschloss und meine intelligente Heizung?

Immer wieder werden Sicherheitsbedenken nahezu in einem Atemzug mit Smart-Home-Technologie geäußert. Dies kommt nicht von ungefähr und ist natürlich auch berechtigt. Hacker haben bekanntlich nur wenig Skrupel und sind in der Lage, nahezu jedes System zu knacken.

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Bild: Ken Munro

Jüngst erst sorgten von außen manipulierte smarte Thermostate für Diskussionen. Hacker infizierten die Geräte im Rahmen der Def Con mit sogenannter „Ransomware“, also Erpressersoftware. Die gekaperten Geräte zeigten dann beispielsweise folgenden Infostatus auf „Zahle 1 Bitcon, um die Kontrolle über das Gerät zurück zu erlangen!“. Theoretisch könnte man somit auch die Heizung im Winter abstellen und gegen Geldzahlungen wieder freigeben. Ein Horror-Szenario, dem unbedingt Einhalt geboten werden muss. Deshalb werden Hersteller von smarten Geräten auch förmlich dazu gezwungen, auf IT-Spezialisten zurückzugreifen und mit diesen die Systeme sicher machen. In Zukunft müssen sich Hersteller also mit IT befassen, auch wenn das nicht zur Kernkompetenz gehört. Wird auf externe fachmännische Hilfe verzichtet, können schnell Sicherheitslücken entstehen. Diese können am Ende dann das Aus für das Produkt und im schlimmsten Fall auch für das ganze Unternehmen bedeuten.

Was beim Thema Sicherheit ein wenig ernüchternd ist, ist allerdings auch der Fakt, dass der Smart-Home-Nutzer bisher noch einen größeren Wert auf Einfachheit legt. Die Systeme sollen sich einfach installieren und bequem per Smartphone-App steuern lassen. Denn bisher gab es ja nur wenige schwerwiegende Angriffe. Die Betonung liegt allerdings auf bisher.

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Schafft Smart-Home neue Jobs?

Je komplexer die Verknüpfungen einzelner Gegenstände und Komponenten ist, desto weniger lukrativ wird Smart-Home für den einfachen Konsumenten. Dabei nimmt jedoch die Energietechnik bei den Smart Homes der Zukunft ebenfalls einen recht großen Platz ein. Strom wird es zunehmend aus Energieversorgungsnetzen geben, die an komplexe Regelsysteme angeschlossen sind. Es schalten sich die Geräte beispielsweise ein, wenn Photovoltaik-Anlagen Strom liefern, oder der Strompreis gerade niedrig ist. So werden sich in Zukunft auch die für den Nutzer zunächst unscheinbaren Dinge der Smart Home Technologie durchsetzen. Für den Ottonormalverbraucher gewichten Geräte, die dem Komfort dienen und die hergezeigt werden können schon mehr. Die intelligente Stromversorgung bekäme nur dann einen emotionalen Wert, wenn hieran noch ein Zähler installiert werden würde, der die Ersparnis anzeigt. Auch bereitet es dem Smart Home Nutzer mehr Spaß, den Partner mit der Musikanlage zu ärgern, die aus er Ferne an und abgeschaltet wird.

Der Trend geht somit weiterhin zu einfachen Einzelsystemen. Wird es zu komplex, steigen die Nutzer recht früh aus. Hieraus dürfte in Zukunft jedoch ein ganz neuer Dienstleistungssektor erwachsen, der Teilsysteme individuell und bei Bedarf auch nach schlüssigen Konzepten entwirft. Der Dienstleister-Zusammenschluss wird dann auch auf ein Netzwerk an Spezialisten -bestehend aus Architekten, Netzwerktechnikern und Elektroinstallateuren- zurückgreifen müssen.

Ist Smart-Home nur eine nette Spielerei für faule Menschen?

Warum muss sich das intelligente Türschloss automatisch öffnen? Wir haben jahrzehntelang mit dem Schlüssel aufgeschlossen, und nun soll das entfallen? Smart-Home wird aktuell von vielen noch im Sinne des „Ambient Assisted Living“ angesehen. Der Übergang vom Komfort zum Bedarf ist schleichend und macht sich dann so richtig bemerkbar, wenn gebrechliche oder pflegebedürftige Menschen von einem automatischen Türöffner profitieren. Je größer der Pflegebedarf ist, desto wichtiger wird auch die Technologie.

Der Schluss, dass Smart-Home dann wohl eher etwas für Menschen fortgeschrittenen Alters oder für Menschen mit Bewegungs-Einschränkungen geeignet ist, ist jedoch ebenfalls über das Ziel hinausschießend. Den Mittelweg -und letztlich wird sich dahin auch der Trend entwickeln- definiert eine Technologie die so gestaltet ist, dass wir diese vor dem Erfordernis auch schon gerne verwenden.

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