Indien war lange Jahre nicht gerade als Vorreiter in Sachen klimafreundlicher Stromproduktion bekannt. Bis heute basiert die Stromversorgung des Landes zu sechzig Prozent auf Kohlekraftwerken. Auf internationaler Ebene blockierte die indische Regierung daher lange auch eine Einigung in Sachen Klimaschutz. Inzwischen hat aber ein erstaunlicher Umschwung eingesetzt. Unter Ministerpräsident Narendra Modi wird nicht nur massiv in den Ausbau der Erneuerbaren Energien investiert, sondern das Land hat auch beim Weltklimavertrag von Paris eine wichtige Rolle gespielt. Selbst nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump das Abkommen aufzukündigen, ließ Indien keinen Zweifel daran aufkommen, sich an die eingegangenen Verpflichtungen halten zu wollen. Die Wende hin zu einer klimafreundlichen Energiepolitik bringt aber auch Verlierer hervor: Hunderte Kohleminen müssen geschlossen werden.


Auch am Flughafen in der Stadt Cochin wird sauberer Solarstrom produziert. Via: Gizmag Copyright: Cochin International Airport Limited

Nur ein Viertel der Kohleminen kann noch rentabel betrieben werden

Dies geschieht aber nicht aufgrund einer staatlichen Vorgabe, sondern weil der Solarstrom inzwischen deutlich günstiger produziert werden kann. So sicherten sich bei der letzten Auktion Anbieter den Zuschlag, die lediglich eine Vergütung von umgerechnet 3,1 Cent pro Kilowattstunde verlangten. Kohle hingegen kostet einen ganzen Cent mehr. Hinzu kommt eine weitere Problematik: Die meisten Kohleminen entsprechen nicht mehr modernen Förderstandards und arbeiten daher nur sehr ineffizient. Experten gehen davon aus, dass sich von den 400 Kohleminen von Coal India lediglich gut hundert rentabel betreiben lassen. Selbst dafür sind in einigen Minen aber zunächst noch erhebliche Investitionen notwendig. In diesem Jahr sollen daher zunächst 37 Kohleminen geschlossen werden. Im nächsten Jahr folgen dann sechzig weitere.

Der Ökostrom soll zukünftig auch für Elektroautos genutzt werden

Schätzungen zufolge kann ein Großteil des wegfallenden Kohlestroms durch neue Solaranlagen ersetzt werden. So ist bis zum Jahr 2021 im Schnitt jährlich ein Zuwachs von 18.000 Megawatt in diesem Bereich realistisch. Zum Vergleich: Deutschland kam im vergangenen Jahr auf einen Zubau von 1.500 Megawatt. Langfristig könnte Indien so sogar zum wichtigsten Markt für Anbieter von Solarmodulen und dazu gehöriger Technik werden. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist aber auch dringend notwendig. Denn die Regierung hat angekündigt, ab dem Jahr 2030 nur noch Elektroautos neu zuzulassen. Diese Maßnahme macht aus klimatechnischer Sicht aber nur Sinn, wenn die Fahrzeuge dann auch mit Ökostrom betrieben werden können.


Via: The Economic Times

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