Ab März nächsten Jahres fahren die – elektrisch versorgten – Oberleitungsbusse (O-Bus) der Stadt Solingen auch dann noch umweltverträglich weiter, wenn die externe Stromversorgung endet. Die Fahrzeuge klappen dann ihre Stromabnehmer ein  und fahren mit der Kraft einer 1000 Kilogramm schweren Batterie weiter, die sich im Heck des Busses befindet. Bei den heute eingesetzten O-Bussen ist dort ein Diesel-Hilfsmotor installiert, der das Fahrzeug bei Stromausfall noch voranbringt.


Anstelle des Motors soll in Zukunft eine Batterie verbaut werden.

Batterie lädt sich während der Fahrt

Der Batterieblock hat eine Kapazität von54 Kilowattstunden. Das reicht nicht für die 24 oberleitungsfreien Kilometer auf der insgesamt knapp 29 Kilometer langen Strecke. Deshalb werden die Akkus an einer der beiden Endhaltestellen in wenigen Minuten teilaufgeladen. Den benötigten Rest zapfen die Batterien während der Fahrt auf der elektrifizierten Strecke aus der Oberleitung ab.

Mit dieser Technik gelingt es, auch Stadtteile elektrisch anzufahren, die weiter außerhalb liegen. Weil sie nur von einer einzigen Buslinie angefahren werden, lohnt es sich nicht, die Gesamtstrecke zu elektrifizieren – im Gegensatz zu den innerstädtischen Verbindungen, die von mehreren Linien genutzt werden.


Ziel: 100 Prozent elektrisch

Der Batterie-Oberleitungs-Bus (BOB), wie er genannt wird, ist vom Düsseldorfer Elektro-Ausrüster Kiepe Electric GmbH in Zusammenarbeit mit dem polnischen Karosseriebauer Solaris entwickelt worden. Jeder der Gelenkbusse kostet rund 850.000 Euro, rund 130.000 Euro mehr als ein konventioneller O-Bus. Das liegt im Wesentlichen an der Batterie, die mit 100.000 Euro zu Buche schlägt. Das Projekt „E-Bus-2020“ sieht vor, dass im Laufe der Jahre auf allen Strecken der Stadt rein elektrisch gefahren wird. Experten der Bergischen Universität Wuppertal begleiten die Anfangsphase, in der erprobt werden soll, ob die Batterie durch Ladestation und die Aufladung während der Fahrt genügend Energie bekommt. Dass beim Bremsen die Antriebsmotoren zu Generatoren werden, die Energie in die Akkus einspeisen, dürfte die Sache erleichtern. Spannend wird es dann im Winter, wenn ein Teil der elektrischen Energie fürs Heizen draufgeht.

345 Tonnen Kohlendioxid weniger

Die Einsparungen an Kohlendioxid-Emissionen sind bereits in der ersten Phase enorm. Auf der Pilotstrecke zwischen Abteiweg und Meigen liegt sie bei 334 Tonnen pro Jahr, sagt Conrad Troullier, für den Bereich Verkehr zuständiger Geschäftsführer der Stadtwerke Solingen. Das stimmt allerding nur, wenn die Stadtwerke ausschließlich grünen Strom verwenden, der aus emissionsfreien Quellen stammt. Legt man den Energiemix in Deutschland zugrunden, also die reale Produktion, an der fossile Kraftwerke den größten Anteil haben, ist die Einsparung erheblich geringer. Einen Vorteil kann man dem Solinger Modell jedoch nicht absprechen: Die Emissionen an Feinstaub in der Stadt sinken auf Null.

via Stadtwerke Solingen

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