Wer liest sich schon die langweiligen Nährwertangaben auf Lebensmitteln durch? Und noch mehr: Wer ändert sein Verhalten aufgrund dieser Zahlenwerte? Anschauliche Beschriftungen könnten sehr viel mehr erreichen, glaubt die britische Verbraucherschutzorganisation Royal Society for Public Health – und fordert Trainingsempfehlungen auf Lebensmitteln.


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Helfen Sportempfehlungen auf Lebensmittelpackungen gegen Übergewicht?

 

Sport-Piktogramme sollen zum Umdenken anregen

Wie lange muss ich eigentlich joggen, um die Kalorien aus dieser Tüte Chips wieder loszuwerden? Nicht jeder Konsument weiß, wie sich Kilojoule in Bewegungseinheiten umrechnen lassen. Und vor allem lässt sich kaum jemand von negativen Nährwertangaben auf Lebensmitteln abschrecken, aus diesem Grund gibt es auch immer mehr Übergewichtige. Die Verbraucherschützerin Shirley Cramer als Geschäftsführerin des RSPH hat einen Vorschlag, wie sich die Situation eventuell verbessern lässt: Warum nicht einfach statt Kalorienangaben Trainingsempfehlungen auf die Lebensmittelpackungen drucken? Das könnte dann in etwa so aus aussehen: Ein joggendes Männchen ist mit 18 Minuten ausgeschildert, ein schwimmendes mit 14 Minuten und ein fahrradfahrendes mit 25 Minuten. So erkennt jeder interessierte Käufer auf einem Blick, wie lange in der jeweiligen Sportart trainiert werden muss, um die überflüssigen Kalorien wieder abzubauen. Dies soll den Menschen dabei helfen, das eigene Verhalten zu überdenken und hoffentlich auch zu ändern.


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So könnten die neuen Piktogramme aussehen.

Tatsächlicher Nährwert wird außer Acht gelassen

Etwas mehr als die Hälfte der erwachsenen Deutschen gilt bereits als übergewichtig, ungefähr ein Viertel sogar als adipös. Zu wenig Bewegung und eine hochkalorische Ernährung gehen dabei Hand in Hand, an mindestens einem Punkt sollte die Gewichtsreduzierung ansetzen. Allerdings gibt es ein Problem bei dem von Cramer vorgeschlagenen Ansatzpunkt: Der Kaloriengehalt eines reichhaltigen Obstsalats kann durchaus ebenso viele Bewegungseinheiten fordern, wie eine Portion Wackelpudding – allerdings ist das Obst deutlich gesünder. Doch wenn der potentielle Konsument für beides gleich lang joggen oder schwimmen muss, greift er womöglich bevorzugt zum Wackelpudding und lässt dabei die Vitamine und wichtigen Nährstoffe außer Acht, die ihm die Früchte liefern. Und dann gibt es auch noch die Essgestörten und Sportsüchtigen, die durch die neuen Angaben eventuell zum exzessiven Trainieren verführt werden könnten: Jedes Blatt hat eben zwei Seiten.

Quelle: inhabitant.com

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