Zu Beginn der 70er Jahren lag die durchschnittliche Spermienzahl je Samenerguss noch mehr als doppelt so hoch wie heute. In jedem Jahr, das seit 1973 verging, verringerte sich der Spermienanteil pro Milliliter um 1,4 %, inzwischen summiert sich der »Spermienverlust« auf 52,4 %. Betroffen sind neben den europäischen Männern auch Nordamerikaner, Neuseeländer und Australier; in nicht-westlichen Ländern lässt sich dieser Trend nicht feststellen.


Spermien aus dem Labor
Spermien aus dem Labor

Keine direkten Rückschlusse auf Zeugungsfähigkeit möglich

Die gute Nachricht lautet, dass aus der reinen Spermienzahl keine direkten Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit eines Mannes gezogen werden können. Erst bei weniger als 20 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat rechnet die Medizin mit echten Schwierigkeiten bei der Zeugung eines Kindes, und diese Zahl wird in den meisten Fällen doch noch überschritten; der europäische Durchschnitt liegt bei etwa 47 Millionen Spermien. Außerdem spielt neben der puren Anzahl auch die Beweglichkeit der kleinen Schwimmer eine große Rolle, wenn es um die männliche Zeugungskraft geht. Trotzdem sieht der Hagai Levine als Leiter einer entsprechenden Studie der Hebrew University in Jerusalem den aktuellen Trend als »dringenden Weckruf für Forscher und Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt« an – während andere Wissenschaftler eher zu Gelassenheit aufrufen. Allerdings treten neben der sinkenden Spermienzahl auch vermehrt Hodentumore, Bauchhoden und andere gefährliche gesundheitliche Anomalien an den männlichen Geschlechtsorganen auf, was ganz sicher als bedenklich zu bezeichnen ist.

Eine seit Jahren anhaltende Tendenz mit noch unbekannter Ursache

Die von Levine durchgeführte Analyse zeigt deutlich eine bereits seit Jahren anhaltende Tendenz auf, die sich aus der Sichtung von insgesamt 185 Studien mit beinahe 43.000 männlichen Teilnehmern ergibt. Nur 28 Prozent der Spermienproben stammten aus Südamerika, Afrika und Asien, sie wiesen keine relevanten statischen Besonderheiten auf.


Warum die westlichen Industrienationen an Spermienschwund leiden, muss erst noch erforscht werden. Eventuell werden aufgrund des Lebenswandels vieler Männer die Speicher in den Nebenhoden nicht mehr richtig aufgefüllt, mutmaßlich aufgrund von Medikamenteneinnahme, häufigem Ejakulieren oder vielleicht sogar durch die Strahlung der Smartphones in den Hosentaschen. Einige Forscher vermuten als Ursache dieses Trends sogar die warmen Windeln in der Säuglingszeit oder die häufige Einnahme von Aspirin. Wie dem auch sei: Das sind alles nichts als reine Vermutungen. Wenn allerdings die Abwärtstendenz so weitergeht, könnte es irgendwann haarig werden, darum gilt es, schnell die Wurzel des Übels zu finden!

Quelle: derstandard.de

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