Stillgelegte Kohle-Zeche wird zu einem Pumpspeicherkraftwerk

Ende 2018 wird die Zeche Prosper Haniel in Bottrop stillgelegt. Damit endet der Steinkohlebergbau in Deutschland. Nutzlos ist die Anlage auch danach nicht. Sie soll zu einem Pumpspeicherkraftwerk umgebaut werden. Derartige Stromerzeuger, die Lücken im Stromangebot kurzfristig schließen und in der übrigen Zeit Überschussstrom verbrauchen, vermutet man eher in den Bergen. Denn sie bestehen aus einem Ober- und einem Untersee. Die Höhendifferenz wird zur Stromerzeugung beziehungsweise zum -verbrauch genutzt. Wird beispielsweise von Wind- und Solarkraftwerken mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, werden die riesigen Pumpen in den Speicherkraftwerken angeworfen. Sie befördern Wasser vom Unter- in den Obersee. Herrscht Strommangel stürzt das Wasser aus dem Obersee in Turbogeneratoren zur Stromerzeugung, ehe es wieder im Untersee landet.

Bild: Ruhr Universität Bochum

Naherholung am Obersee

Im Fall Prosper Haniel muss der Obersee neu errichtet werden. Er soll 600 Millionen Liter Wasser fassen und in ein Naherholungsgebiet integriert werden. In einer Tiefe von 500 Metern wird der Untersee gebaut, der ringförmig werden soll. Turbine, Pumpe und Generator werden ebenfalls in dieser Tiefe installiert. Der Bereich lässt sich mit geländegängigen Fahrzeugen erreichen, denn Prosper Haniel verfügt über einen Schacht mit einer Neigung von 40 Prozent.

Ob dieser tatsächlich für den wirtschaftlichen Materialtransport geeignet ist soll eine Machbarkeitsstudie ergeben, die ein Team um Professor Hermann-Josef Wagner, Inhaber des Lehrstuhls Energiesysteme und Energiewirtschaft der Ruhr-Universität und Professor André Niemann vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der Universität Duisburg-Essen anfertigen.

Strom fließt bis zu vier Stunden

„Der Reiz an Zechenstandorten liegt darin, dass man vorhandene Infrastrukturen nutzen könnte“, so Wagner. Das gilt vor allem für die Bottroper Zeche. Bereits stillgelegte sind ungeeignet, weil Stollen, Schächte und die übrigen unterirdischen Räume verfüllt sind, um Einstürze zu verhindern.

Die Kosten dürften bei 250 bis 300 Millionen Euro liegen. Die Anlage könnte eine Leistung von 200 Megawatt haben, die vier Stunden lang bereitgestellt würde. Dann wäre der Obersee leer und müsste mit Überschussstrom wieder gefüllt werden.

 

via Ruhr Universität Bochum