Vor rund einem Monat haben Messstationen in Europa erhöhte Werte des radioaktiven Isotops Ruthenium-106 gemessen. In Deutschland war vor allem Sachsen betroffen. Forscher machten sich auf die Suche nach dem Ursprungsort der Verunreinigungen und fanden diesen in Russland. Möglicherweise handelt es sich um eine Wiederaufbereitungsanlage im Ural. Zwar waren die Rutheniumwerte in Europa nicht gesundheitsschädlich, sie legen jedoch nahe, dass es in der Wiederaufbereitungsanlage möglicherweise zu einem atomaren Zwischenfall kam.


Grafik: IRSN

Russland als Quelle des Ruthenium-106

Bei Ruthenium-106 handelt es sich um ein radioaktives, nicht natürlich vorkommendes Isotop des Elements Ruthenium. Es entsteht sowohl bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken als auch bei der Wiederaufbereitung von Brennstäben. Das Isotop gilt als giftig und krebserregend, wenn es in höheren Werten aufgenommen wird.

Ende September registrierten Messstationen in Europa erhöhte Konzentrationen von Ruthenium-106. Mit 0,15 Becquerel pro Kubikmeter Luft wurde der höchste Wert in Rumänien gemessen. In Deutschland lagen die Werte zwischen wenigen Mikrobecquerel und wenigen Millibecquerel pro Kubikmeter. Es gab keinerlei Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung. Seit dem 06. Oktober nahmen die Werte wieder kontinuierlich ab. Inzwischen ist über Europa kein Ruthenium-106 mehr nachweisbar. Wie Forscher nun herausfanden, war die Quelle wahrscheinlich die Freisetzung größerer Mengen des Isotops in Russland. Hinweise darauf gab der russische Wetterdienst Roshydromet, der Ende September stark erhöhte Werte des Radionuklids zwischen dem Ural und der Wolga gemessen hat. Diese Vermutungen werden durch Simulationen des französischen Instituts für Strahlenschutz und Nuklearsicherheit (IRSN) gestützt.


Schätzungen der Forscher zufolge könnten im südlichen Ural etwa 300 Terabecquerel Ruthenium-106 freigesetzt worden war. Die Messstelle Messstelle Argayash im Bezirk Tscheljabinsk verzeichnete zeitweilig etwa 986 Mal mehr von dem Isotop als normal.

Zwischenfall in Mayak?

Aufgrund der Tatsache, dass lediglich Ruthenium-106 und keine anderen Radionuklide nachgewiesen werden konnten, schließen die Forscher einen Zwischenfall in einem Kraftwerk als Quelle für die Verunreinigungen aus. Ebenso konnten sie einen abgestürzten Satelliten mit Ruthenium-Thermogenerator als Ursache eliminieren.

Die wahrscheinlichste Theorie ist momentan, dass es zu einem Zwischenfall in der Wiederaufbereitungsanlage Mayak kam. Diese gewinnt aus gebrauchten Brennstäben Radionuklide für die Wissenschaft und die Forschung und liegt nur 30 Kilometer von der Messstation Argayash entfernt.

Rosatom bestreitet, dass es einen Vorfall gab

Diese Vermutungen riefen die russische Atomenergie-Agentur Rosatom auf den Plan. Diese bestreitet, dass es zu einem solchen Zwischenfall kam. „Die von Roshydromet registrierte Kontamination mit Ruthenium-106 ist nicht mit den Aktivitäten in Mayak verknüpft“, heißt es von Rosatom.

Dennoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass an der Theorie etwas dran ist. Es kam bereits häufiger zur Freisetzung von Radioaktivität aus der Wiederaufbereitungsanlage, und 1954 kam es dort zum drittschwersten atomaren Unfall in der Geschichte der Atomenergie. Damals kam es zu einer Explosion, die über eine Fläche von 20.000 Quadratkilometern radioaktive Stoffe verbreitete, was mehr als 200.000 Menschen mit erhöhten Strahlungswerten konfrontierten.

Grennpeace Russland forderte Rosatom auf, alle eventuell vorliegende Ergebnisse zu Ereignissen in Mayak offenzulegen. Bisher gab es noch keine Reaktion.

"

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.