Chronisch unter Müllmangel leidende Verbrennungsanlagen in Deutschland könnten sich mit Importen von Abfällen eine bessere Kostenstruktur verschaffen, was auch die Bürger entlasten würde. Doch gegen derartige Bestrebungen findet sich immer eine Bürgerinitiative, die das zu verhindern trachtet.


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Schweden und die Schweiz gehen mit gutem Vorbild voran

Ganz anders in Schweden und der Schweiz. Dort gilt Müll als wertvoller Rohstoff, der den Verbrauch von Erdöl und Erdgas verringert. Denn die Verbrennungsanlagen produzieren nebenbei Strom, der ins Netz eingespeist wird, und Fernwärme. Also importieren beide Länder fleißig Müll. Die Schweiz bezieht ihn vorwiegend aus Süddeutschland und Schweden aus Norwegen, Großbritannien, Irland und Italien. Die Skandinavier entsorgten 2013 rund 800.000 Tonnen fremden Müll, die Schweizer im Jahr 2014 genau 317.309, wie der Verband der Schweizer Abfallverwertungsanlagen errechnet hat. . „Ein gutes Geschäft“, sagt Anna Carin Gripwall vom Müllverwerterverband Avfall Sverige. Denn Müll gibt es zum Nulltarif. Oft legen die Produzenten sogar noch etwas drauf, weil es an eigenen Kapazitäten fehlt.


Schweden und Schweizer sind, wie die Deutschen, eifrige Müllsortierer. Die Folge: Die oft noch vor Beginn der Recyclingwelle geplanten Verbrennungsanlagen sind meist zu groß geraten. Stilllegen geht in der Regel nicht, weil dann die Fahrzeiten für die Müllwagen zu lange dauern würden. Es müssten also Umschlagplätze gebaut werden, auf denen man die Abfälle zwischenlagert, ehe sie – möglichst verdichtet und per Bahn – zu weiter entfernten Verbrennungsanlagen befördert werden.

20 Prozent der Schweden beziehen Wärme von Abfallkraftwerken

Der Mülltourismus ist durchaus sinnvoll. In Schweden beziehen 950.000 Haushalte, also jeder fünfte, Wärme aus den 32 Abfallkraftwerken des Landes. Der gleichzeitig produzierte Strom reicht für 260.000 Haushalte. „Siedlungsabfall aus angrenzenden Regionen zu importieren und hier zu verbrennen, ist umwelttechnisch sicher besser, als ihn vor Ort zu deponieren“, sagt André Hauser vom Schweizer Bundesamt für Umwelt, so die „Neue Züricher Zeitung“. Dem stimmt sogar Patrick Hofstetter vom Umweltschutzverband WWF Schweiz zu.

Acht Prozent des Müll, die in den 30 Kehrichtverbrennungsanlagen, wie die Eidgenossen sie nennen, verwertet werden, stammen aus dem Ausland. Eine Züricher Anlage kommt auf 73 Prozent Importe. Sie versorgt 8000 Haushalte mit Strom und 13.000 mit Wärme. Während Politiker und Umweltschützer gern über „Fehlwürfe“ klagen, Plastikteile und Papier also in der Restmülltonne landen, freuen sich die Müllwerker darüber. Denn dann brennt ihr Feuer besser.

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1 Kommentar

  1. Hans

    21. Oktober 2015 at 23:57

    sehr aufklärerischer und gut erläuternder Artikel –

    Nicht.

    Müll, der gut brennt ist hauptsächlich Kunststoff oder Holz. Der Rest(Müll) brennt einfach nicht, weil er zu feucht ist, oder halt nicht brennt (z.B. Metall,Steine…).
    Soweit ich weiß, wird in einem Restmüllkraftwerk immer mit Gas/Öl zugeheizt.
    Und Kunststoff wird aus Erdöl hergestellt, es wird also nix ‚drastisch verringert‘.
    Keine Zahlen im Artikel, die die Umweltbilanz anreißen. Z.B. mal das Müllrumgefahre durch Europa zu hinterfragen oder die Subventionierung der Müllverbrennung in D.

    Sorry für die schlechte Schulnote, aber Inhaltlich wars wirklich nicht so tolle.

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