Der Strommarkt ist ständig in Bewegung und aktuell steuern die Strompreise sogar auf ein Allzeithoch hin. Parallel dazu tummelt sich eine ansehnliche Zahl an Stromanbietern im Netz. Da noch den Überblick wahren zu können, ist gar nicht mehr so einfach. Neben den Marken-Anbietern und den regionalen Stadtwerken springen auch vermehrt neue Discountanbieter mit auf, die mit Kampfpreisen und zunächst lukrativen Wechselprämien locken. Parallel dazu geistern auch stets neue Umlagen und Netzentgelte durch die Sphäre, die den Strompreis entsprechend prägen. Passend zum Jahresbeginn haben wir für euch einmal den Blick hinter die Kulissen geworfen und wollen in dem folgendem Beitrag erklären, worauf  bei der Wahl des Energieanbieters geachtet werden sollte. Auch wollen wir Antworten auf Fragen wie: Woran erkenne ich einen guten und gleichzeitig fairen Tarif? Und worauf sollte ich neben dem Preis noch achten? liefern.


Strom selber erzeugen

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Bei der Stromversorgung kommt es üblicherweise vor allem auf eine sichere Versorgung an. Aber zunächst stellt sich die Frage, wie überhaupt der Preis zustande kommt? Wir haben uns umgehört und Ratschläge von Experten studiert. Wir sind es gewohnt, dass der Strom aus der Steckdose kommt. Egal wo und egal wann. Aber das stimmt so ganz dann doch nicht. Es macht durchaus einen Unterschied, an welchem Ort der Strom bezogen wird. Hinsichtlich des Strompreises sind Variationen spürbar. So gibt es Unterschiede, wenn man an der Küste, an den Bergen oder auf dem Land wohnt. Hier spielen die Netzentgelte eine große Rolle, die parallel zu der Konzessionsabgabe regional recht unterschiedlich ausfallen.


Was sind Netzentgelte?

Zunächst gilt es aber zu klären, was Netzentgelte eigentlich sind. Hierbei handelt es sich um Kosten, die für die Nutzung der Stromnetze anfallen. Vergleichbar ist das mit der Gebühr für die Autobahn-Maut. Hier zahlen wir ebenfalls für die genutzte Strecke. Im Normalfall werden die eingenommenen Entgelte für Instandhaltungen und die Wartung für den Asphalt wieder eingesetzt. So verhält es sich auch bei den Netzentgelten. Die Betreiber der Netze fordern für den Betrieb entsprechende Gebühren. Im Laufe der Zeit sind die Entgelte gestiegen. Das liegt vor allem an dem Ausbau erneuerbarer Energien und den damit einhergehenden Anschlüssen an die Netze. Überall da, wo Solaranlagen und Windräder angeschlossen werden, wurde zuvor recht viel Geld investiert. Demnach kam es im windreichen Norden Deutschland über das Mittelgebirge bis hin zum sonnenstarken Süden zu einem starken Anstieg der Netzentgelte. Dabei machen die regional unterschiedlichen Kosten ansehnliche 27 Prozent aus. Diese werden dann von den Netzbetreibern festgelegt und anschließend von der Bundesnetzagentur abgesegnet und entsprechend genehmigt. Um die bundesweite Verteilung der Energie in den Netzen kümmern sich die „Übertragungsnetzbetreiber“. Dazu zählen Tennet, 50Hertz, Amprion oder TransnetBW. Und nun bitte gut aufpassen! So sind Regionen, die im Übertragungsnetzbetrieb von Tennet und 50Hertz liegen besonders von hohen Investitionskosten betroffen. Hierfür kann folgendes Beispiel herangezogen werden: Über die Nord-Süd-Stromtrasse wird grüner Strom von der Küste in die Alpen transportiert. Tennet kündigte Ende letzten Jahres an, ihre Netzentgelte um knapp 80 Prozent zu erhöhen. Den Energieanbietern wird dann aber das sinnbildliche Messer auf die Brust gelegt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die anfallenden Netzentgelte an die Stromkunden weiterzugeben.

Energie

Steuern, Umlagen und Abgaben

Wer sich mit Stromanbietern einmal auseinandergesetzt und Vergleiche angestrebt hat, der wird auch immer wieder unter den Sternchen über die Begriffe „Steuern“, „Umlagen“ und „Abgaben“ stolpern. Diese machen immerhin 50 Prozent des Kostenbestandteils aus. Nicht zu unterschätzende Größen also. Um den Ausbau der wichtigen grünen Energie voranzutreiben, setzt Deutschland bei der Energiewende auf eine langfristige und vor allem auch sichere Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien. Dabei entstehen jedoch auch zwei neue Kostenfaktoren. Zum einen sind das die Umlagen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Abkürzung EEG dürfte für viele geläufig sein. Und zum anderen das bisher noch weniger bekannte KWKG, das sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung-Gesetz. Diese Umlagen dienen hauptsächlich dazu Energie zu fördern, die die Umwelt schont und nachhaltig ist. Deutschland ist bemüht grüne Energie sinnvoll zu fördern und bedacht und auch wirtschaftlich einzusetzen. Somit wird auch eine gewisse Vorbildfunktion für andere Nationen auf der Welt eingenommen. Wichtig ist in diesem Kontext allerdings auch zu erwähnen, dass die Strom-Verbraucher, also viele einzelne Bürger oder Haushalte, den Fortschritt der Energiewende gemeinsam vorantreiben. Die Investitionen in den Ausbau werden schließlich auch auf den Strompreis umgelegt.

Weitere Kostenpunkte sind die Strom- beziehungsweise Ökosteuer aber auch die Konzessionsabgaben und die Mehrwertsteuer. Rückblickend ist die Entwicklung des Strompreises schon recht interessant. So sind einige Umlagen erst in den letzten Jahren dazu gekommen. Schaut man auf die vergangenen 15 Jahre zurück, kann festgehalten werden, dass sich der Anteil der Umlagen, Steuern und Abgaben mehr als verdoppelt hat.

Die übrigen knapp 23 Prozent machen dann Posten wie Service, Vertrieb und Strombeschaffung aus. Diese Punkte sind für Verbraucher durchaus interessant, denn hier unterscheiden sich die einzelnen Anbieter. Und an diesem Punkt muss man auch selbst hinterfragen, ob ein Service, samt Betreuung und Ansprechpartner beispielsweise benötigt wird oder nicht? Je nach Angebot, können die monatlichen Kosten durchaus merklich variieren.

Die ekligen Maschen der „Billig-Stromanbieter“

Die einleitenden Worte waren wichtig, um noch einmal das entsprechende Verständnis für die Zusammensetzung des Strompreises sortieren zu können. Damit können mithin die Stellschrauben offengelegt werden, an denen die Anbieter von Strom selbst Hand anlegen können oder auch nicht. Seit dem 1. Januar müssen Millionen Deutsche mehr für ihren Strom bezahlen. Das zu bemerken ist aber manchmal gar nicht so einfach, denn viele Stromanbieter haben ihre Erhöhungen durchaus gut getarnt. Oftmals erfolgen die Informationen, zu denen die Anbieter verpflichtet sind, im Mantel eines Werbeblattes oder mehreren Seiten Werbepapiers. So auch im jüngsten Fall von Christian Book, der gegen seinen Stromanbieter Enstroga (Berlin) bereits vor Gericht gegangen ist. Inmitten eines Informationswirrwarrs über neue QR-Codes, mit denen die Stände übermittelt werden können und Anleitungen, wie diese angebracht werden können, fand sich dann nur ein kurzer Satz zur Erhöhung des Arbeitspreises. Die Differenz zum vorherigen Tarif beträgt dann auch gleich stolze 200 Euro im Jahr. Der Betroffene hat die mit „Gut informiert mit Enstroga“ und „Mit Enstroga wird Ihr Zähler smart!“ betitelte „Tarifanpassung“ zunächst als Werbeprospekt erfahren. Die Preiserhöhung um knackige 27 Prozent sollte wohl auch übersehen werden, so jedenfalls der Vorwurf. Das Verfahren muss nun einer gerichtlichen Prüfung Stand halten.

Arbeitspreis für Strom noch nie so hoch wie heute

Insgesamt ist der Arbeitspreis für Strom in diesem Jahr so hoch wie noch nie zuvor. Im Mittel handelt es sich um 30,51 Cent und laut Verivox haben mindestens 337 Anbieter zum Jahreswechsel die Preise erhöht. Im Schnitt schlugen die Versorger 3,6 Prozent auf. Einige stockten sogar um 15 bis 30 Prozent auf. Getarnt in harmlosen, neutralen Schreiben merken das die Verbraucher im schlimmsten Fall auch nicht einmal.

Law Gavel
Foto: Justice Gavel, Tori Rector, Flickr, CC BY-SA 2.0


Pflicht über Preiserhöhung und Sonderkündigungsrecht zu informieren

Bei Erhöhungen sind die Versorger verpflichtet diese auch ihren Kunden schriftlich mitzuteilen. Zudem muss auch über das damit entstehende Sonderkündigungsrecht informiert werden. Dieses beträgt 14 Tage. Es liegt daher auf der Hand, dass einige Versorger tief in die Trickkiste greifen, um die Erhöhung so unauffällig wie möglich an die Kunden zu bringen. Einige Anbieter nutzen das Desinteresse der Verbraucher schamlos aus. Denn wer möchte schon ellenlange Texte Wort für Wort studieren? Auch von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) kennen wir teilweise seitenweise Kleingedrucktes. Diesen „Langeweile-Vorteil“ machte sich beispielsweise der Stromversorger Strogon zu Nutze. Mit einer fast 4.000 Wörter fassenden Mail klärte Strogon die Kunden über Änderungen bei den AGBs auf und irgendwo mitten drin zwei Preiserhöhungen.

Trend zur Verschleierung

Mit extrem langen Mails geht es auch bei ExtraEnergie weiter. Das Neusser Unternehmen musste sich kürzlich erst in einem von der Verbraucherzentrale Sachsen erhobenen Verfahren erklären. Nach anderthalb Seiten Ausführungen zur Energiewende wurde kurz auf die Preiserhöhung eingegangen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied den Fall zu Gunsten der Verbraucherzentrale mit den Worten „dass die Verbraucher mit Kalkül eingelullt wurden“. Christina Wallraf, Energieexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, spricht bereits von einem sich klar abzeichnendenTrend, nämlich die Preiserhöhungen zu verschleiern.

Achtung vor Billiganbietern

Je niedriger der Preis am Anfang, desto vorsichtiger sollte man zunächst bei der Wahl des Stromanbieters sein. Unseriöse Anbieter versuchen die Kunden zunächst mit wirtschaftlich kaum tragbaren Kampfpreisen zu locken. Dabei bauten einige Unternehmen in der Vergangenheit sogar ganze Schneeballsysteme und auch kuriose Geschäftspraktiken auf. Dazu zählten unter anderem auch gute Rankings bei beliebten Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24. Kunden, die auf einen Billig-Anbieter hereinfallen, stehen im schlimmsten Fall am Ende auch noch ohne Versorger da.

Weitere Anzeichen für schlechte Versorger

Beim Kampf um den Überblick bei den Preisen für Strom gibt es allerhand zu beachten. So warnen Experten auch vor den Vorauszahlmodellen. Negativbeispiele aus der Vergangenheit zeichneten beispielsweise Teldafax und Flexstrom. Kunden, die bei diesen Anbietern vorauszahlten (oftmals wird dann mit Rabatten gelockt), sahen ihr Geld nach der Insolvenz der Unternehmen nie wieder.

Die Beschwerden über Billig-Anbieter von Strom häufen sich vermehrt im Internet. Für Verunsicherung sorgte 2016 auch der Fall der Care Energy. Dabei mussten tausende Stromkunden zunächst ersatzversorgt werden. Jüngst macht Care Energy erneut Schlagzeilen. So bezog eine vierköpfige Familie aus dem Westerwald bis 2015 Strom von diesem Anbieter. Nun wurde eine Nachzahlung in Höhe von 24.000 Euro gefordert. Dieser Fall rief unter anderem das Team von plusminus auf den Plan. In einem recht anschaulichen Beitrag, hat sich das ARD noch einmal diesem brisanten Thema gewidmet und für Aufklärung gesorgt.

Darauf kommt es an: Seriosität, Sicherheit und Zusatzleistungen

Wie bereits aufgezeigt spielt der Preis für viele Verbraucher eine wichtige Rolle, wenn es um die Wahl des Stromanbieters geht. Allerdings gilt auch hier der Slogan „Wer billig kauft, kauft zweimal“. Im Fall der Strom-Anbieter ist der zweite Kauf dann eher mit Ärger und Enttäuschungen verbunden. Worauf es also noch ankommt, fassen wir im Folgenden zusammen.

Transparent und Fair

Seriöse Strom-Anbieter zeichnen sich durch klar strukturierte und durchsichtige Angaben zu den Kostenbestandteilen und der Tarifstruktur aus. Vorauskasse-Bitten und wichtige Informationen, versteckt im Kleingedruckten und mit einer Fülle von Sternchen versehen, machen keinen transparenten Eindruck. Hier sollte man dann doch eher die Finger von lassen. Seriöse Anbieter zeichnen sich durch Offenheit und Ehrlichkeit aus.

Service

Für Viele ist es nach wie vor wichtig auch einen direkten Ansprechpartner bei Problemen zu haben. Es ist daher schon von Vorteil, wenn die Anbieter über einen Service mit individueller Beratung verfügen. Dabei muss man für sich selbst hinterfragen, über welchen Kanal die Aufklärung oder Beratung stattfinden sollte. Telefonisch? Per Mail oder doch lieber über Facebook-Messanger oder Unternehmens-Chat? Viele Anbieter verfügen über ein breites Spektrum und bedienen dabei auch mehrere Dienste.

Sicherheit

Eine Marke birgt auch stets für eine gewisse Sicherheit, die starke Energieanbieter von schwachen unterscheidet. Energiepartner wie beispielsweise E.ON haben einen Ruf, den sie einhalten müssen und stehen mit ihrem Namen für eine zuverlässige und sichere Versorgung ein.

Onlinefunktionen/ innovativ und nachhaltig

Im Zeitalter des Internets möchten viele Verbraucher auch papierlose Features nicht mehr missen. Dazu zählen beispielsweise das Einsehen der Rechnungen über das Web. Aber auch die Eingabe der Zählerstände über Online-Masken ermöglichen mittlerweile schon viele seriöse Stromanbieter. Einige helfen darüber hinaus auch beim nachhaltigeren Strommanagement und halten Nachzahlungen, dank eines guten Energiehaushalts, niedrig.

Experten raten auch ein Auge auf Versorger zu werfen, die an neuartigen Energielösungen arbeiten. Die Energiezukunft steht ganz klar im Zeichen von Elektromobilitätskonzepten, Stromspeichern, Kleinwindkraftanlagen, Solaranlagen und auch Brennstoffzellen. Zukunftsorientierte Energieanbieter liefern dazu oftmals auch fertig geschnürte Pakete, so dass der Verbraucher alles aus einer Hand schöpfen kann, sofern der Wunsch nach Umrüstung besteht.

Zusatzservices

Bei den Punkten „in einem Paket“ (oftmals günstiger) und aus „einer Hand“ sind sich auch Zusatzleistungen einig, die es bei einigen Anbietern obendrauf gibt. Darunter zählen beispielsweise Tarife mit einer langfristigen Preisgarantie. Interessante Schutzbriefe und Versicherungen. 100 Prozent Ökostrom und einiges mehr.

Fazit

Den passenden Stromanbieter zu finden ist gar nicht so einfach. Es lohnt sich allerdings auch hier am Ball und informiert zu bleiben, statt Preiserhöhungen unkommentiert hinzunehmen. Einmal mit der Materie vertraut, gelingt es auch künftig die wesentlichen Dinge im Auge zu behalten. Ein seriöser Stromanbieter spart vielleicht nicht das große Geld, dafür aber durchaus eine Menge Sorgen, Enttäuschungen und Zeit.

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