Studie: Der Ökostrom-Sektor beschäftigt rund 16-mal mehr Menschen als die Braunkohle

Nach jahrelangen Debatten steht in Deutschland inzwischen ein konkreter Termin für den Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau fest: Ende 2018 werden die letzten Zechen schließen. In Großbritannien war dies hingegen bereits vor rund zwei Jahren der Fall. Was allerdings den Braunkohletagebau angeht, ist die deutsche Politik noch extrem zurückhaltend. Erst im Jahr 2018 soll eine Kommission eingesetzt werden, die dann über einen möglichen Ausstieg berät. Begründet wird diese Vorsicht vornehmlich mit wirtschaftlichen Argumenten. In Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt gibt es jeweils noch große Tagebau-Gebiete, die lange Zeit für eine erhebliche Anzahl an Arbeitsplätzen sorgten. Dies ist inzwischen aber nur noch bedingt der Fall: Während in der Ökostrom-Branche inzwischen 330.000 Menschen arbeiten, existieren im Braunkohletagebau nur noch rund 20.000 Arbeitsplätze.

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Die Arbeit im Tagebau wurde weitgehend automatisiert

Dies ist das Ergebnis einer Studie mit dem Titel „Arbeitsplätze in Braunkohleregionen – Entwicklungen in der Lausitz, dem Mitteldeutschen und Rheinischen Revier„. Erstellt wurde diese durch die Unternehmensberatung Arepo Consult – im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen. In relativen Zahlen ausgedrückt wird deutlich, dass die Braunkohle für den deutschen Arbeitsmarkt keine bedeutende Rolle mehr spielt: Bundesweit befinden sich in diesem Sektor lediglich noch weniger als 0,07 Prozent aller Arbeitsplätze. Diese Tatsache liegt vor allem in der zunehmenden Automatisierung begründet. Abgebaut wird die Braunkohle durch riesige Bagger und auch die Verstromung in den Kraftwerken verläuft inzwischen weitgehend ohne menschliche Arbeitskräfte.

Die Grünen wollen ab dem Jahr 2030 auf Kohlestrom verzichten

Die Grünen ziehen aus der Studie den Schluss, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Braunkohle überschätzt wird. Sie sehen sich daher in ihrer Forderung, den Ausstieg nach der Bundestagswahl im September sofort einzuleiten, bestätigt. Als konkretes Ausstiegsdatum ist dabei das Jahr 2030 vorgesehen. Der Bundesverbandes Braunkohle sieht dies naturgemäß anders. Dort wird darauf verwiesen, dass der Braunkohleabbau nicht nur für Arbeitsplätze sorge, sondern auch die Versorgungssicherheit garantiert, wenn in Deutschland Dunkelflaute herrscht – also nur schwacher Wind weht und die Sonne nicht scheint. Dieses Argument ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Andere Länder haben allerdings dennoch bereits den Ausstieg aus der Kohleenergie beschlossen. Beispielsweise Frankreich, Großbritannien und Kanada.