Nirgendwo werden die Probleme einer Gesellschaft so massiv greifbar wie in großen Städten: Soziale Ungerechtigkeit, Umweltverschmutzung, Obdachlosigkeit, Krankheiten – in Großstädten spiegelt sich weltweit der Zustand der jeweiligen Gesellschaft lieber. Bereits der große Leonardo da Vinci erkannte dies und versuchte in einem Gedankenexperiment, eine Stadt zu entwerfen, in der Menschen so gut wie möglich zusammenleben wollen. Der 100-jährige Sozial-Architekt Jacque Fresco macht es ihm nach: In seinem Projekt „The Venus Project“ will er eine Stadt planen, die Umweltfreundlichkeit mit sozialer Gerechtigkeit und Sicherheit vereint.


Bild: The Venus Project

Leben ohne Geld: Der gesamtgesellschaftliche Lebensstandard als oberste Priorität

Um sein Projekt in Bilder zu fassen, holte sich Fresco die Illustratorin Roxanne Meadows ins Boot. Das Ergebnis sind Bilder, die sich sehen lassen können: In Frescos Vorstellung wird das Venus Project in einer kreisförmigen Siedlung mit futuristischen Gebäuden und viel Grün resultieren.

Das eigentlich interessante an dem Projekt ist aber nicht die Visualisierung, sondern die soziale Utopie, die dahinter steht. In der Stadt der Zukunft regieren in Frescos Vorstellung keine Computer, sondern ein großer Zentralcomputer. Das Wirtschaftssystem folgt keinem Geld- und Zinssystem, sondern einer ressourcenbasierten Wirtschaft. Dabei werden alle verfügbaren Ressourcen als Allgemeingut angesehen und so sinnvoll wie irgendwie möglich verwendet. Dabei wird die bisherige Praxis, Ressourcen durch den Einsatz von Geld zu rationieren und regulieren, quasi zugunsten eines aus Frescos Sicht überlegenen Systems über Bord geworfen. Ziel des System ist es nicht, einige Individuen zu bevorteilen, wie es das aktuelle System tut, sondern die Lebensqualität der gesamten Gesellschaft auf das höchstmögliche Level zu bringen.


Bild: The Venus Project

Eine Zukunftsutopie mit realem Kern

Bisher existiert die Idee in großen Teilen nur auf dem Papier – obwohl das Venus Project bereits 1995 gegründet wurde. Lediglich einige der weißen Kuppelhäuser wurden auf Frescos Forschungsarreal in Florida errichtet. Jedoch ist geplant, die Pläne eines Tages in Form einer Experimental-Stadt in die Praxis umzusetzen. Fresco ist mit seiner Idee nicht allein. Auch Firmen wie google bauen bereits an smarten Städten, die eine bessere Gesellschaft hervorbringen sollen.

Teilweise handelt es sich bei Frescos Plänen aber noch um bloße Utopie. Wie beispielsweise eine digitale Regierung aussehen, realisiert und überwacht werden soll, ist bisher nur im Ansatz erklärt worden. Und ein kompletter Umschwung des Wirtschaftssystems vollzieht sich auch nicht einfach so von heute auf morgen – auch nicht im vergleichsweise kleinen Rahmen einer einzelnen Stadt.

Dennoch ist Frescos Arbeit wichtig. Seine Gedanken sind radikal konsum- und kapitalismuskritisch und stoßen daher nicht unbedingt nur auf Gegenliebe – um Gegenteil, die Zahl seiner Feinde ist groß. Aber gerade das zeigt, dass viele der Ideen, die Fresco im Rahmen seines Projekts entwickelt hat, einen sinnvollen Kern haben. Nicht nur, dass die Konzentration auf erneuerbare Energien als Energiequelle ein Selbstgänger für moderne Städte sein sollte, auch der Gedanke, ob das derzeitige System wirklich die beste der verfügbare Lösungen ist, sollte verfolgt werden. Technischer Fortschritt, gepaart mit einem radikalen systemischen Umdenken, hat tatsächlich das Potential, unsere Gesellschaft nachhaltig und dauerhaft zu verändern. Und auch wenn das nicht von heute auf morgen passieren kann: Darüber zu reden lohnt sich allemal.

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2 Kommentare

  1. eisvogel

    1. Januar 2018 at 15:49

    Hört sich an wie Kommunismus 2.0.
    Das Problem ist, die Gesellschaft läßt sich nicht auf einen Level bringen.
    Jene, die Macht besitzen, werden sie auch nicht zu Gunsten sozialer Gerechtigkeit abgeben wollen.
    Das nächste Problem ist die ganze Logistik.
    Woher kommen die Nahrungsmittel, wer produziert sie unter welchen Bedingungen und wie werden sie erworben, wo es doch kein Geld gibt.
    Welcher Anreiz wird geschaffen um überhaupt für das Wohl der Allgemeinheit etwas zu tun? Oder leben die Faulen auf Kosten der Fleißigen, so wie es mir beim „bedingungslosen Grundeinkommen“ erscheint, das ja schon probeweise gemacht wird? Ich finde soziale Gerechtigkeit gut und bin prinzipiell nicht abgeneigt in einer solchen Stadt zu leben aber auf eines bestehe ich: Raucher, Drogen- & Alkohol- Konsumierer, und jene die zu Sylvester Feuerwerke abfackeln müssen, haben die Stadt zu verlassen bzw. bekommen keinen Aufenthalt. Also alle jene, die der eigenen Gesundheit und die der Anderen schaden sowie der Natur.

  2. Alexander Trisko

    2. Januar 2018 at 17:36

    @Eisvogel: Es schadet auch der eigenen Gesundheit, wer übergewichtig ist, sich nicht genug bewegt oder zu viel Energy Drinks konsumiert. Kommen die dann auch nicht rein?

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