Im Jahr 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Pocken endgültig für ausgerottet. Um diesen mit vielen Milliarden Dollar erkauften Erfolg nicht zu gefährden, wurde anschließend beschlossen, sämtliche noch vorhandenen Viren an zwei Standorten zu konzentrieren: In Atlanta und in Nowosibirsk. Dort sollten sie für alle Ewigkeit sicher verwahrt werden. Seit einigen Jahren wird zudem darüber diskutiert, ob die Restbestände vollständig vernichtet werden sollen oder ob sie für Forschungszwecke noch benötigt werden. Tatsächlich scheint die Gefahr einer neuen Ausbreitung der Pocken nun aber von anderer Seite zu kommen: US-Forscher haben gezeigt, dass es möglich ist, das Erbgut des Pockenvirus in vergleichsweise kurzer Zeit nachzubauen.


Die noch vorhandenen Pockenviren sind sicher verwahrt. Nachbauten aus dem Labor könnten aber zum Problem werden.

90.000 Euro und sechs Monate Zeit werden benötigt

Tatsächlich demonstrierten sie diese Fähigkeit zunächst mit den für Menschen eher harmlosen Pferdepocken. Dafür bestellten sie DNA-Fragmente mit jeweils rund 30.000 Basenpaaren. Diese Grundmaterialien konnten problemlos öffentlich bestellt werden und wurden per Post zugestellt. Anschließend setzten die Forscher das Erbgut des Pferdepockenvirus – bestehend aus rund 120.000 Basenpaaren – zusammen. Dieser Nachbau wurde in Zellen eingeschleust, die bereits mit einem harmlosen Pockenvirus infiziert waren. Die selbe Vorgehensweise ließe sich relativ problemlos auch auf die Verbreitung des Pockenvirus übertragen. Übermäßig viel Geld und Zeit wird dafür nicht benötigt: Die Forscher rund um David Evans von der University of Alberta gehen davon aus, dass circa 90.000 Euro und sechs Monate Zeit benötigt werden.

Beim Polio-Virus gibt es bereits etablierte Sicherheitsvorschriften

Evans selbst hat allerdings nicht vor, sein Experiment auch mit richtigen Pockenviren zu wiederholen. Er wollte lediglich beweisen, dass es faktisch möglich ist, diese im Labor nachzubauen. Dadurch soll eine Diskussion angestoßen werden, wie am besten mit dieser Tatsache umgegangen werden kann und welche Regulierungen im Bereich der Molekularbiologie nötig sind. Evans hat die Ergebnisse seines Experiments daher auf einer Konferenz der WHO den zuständigen Pocken-Experten vorgestellt. Möglich sind zukünftig ähnliche Regelungen wie für den Nachbau des Polio-Virus. Dessen Erbgut darf im Labor nur zu einem Fünftel nachgebaut werden. Außerdem müssen die Hersteller von DNA-Fragmenten die Bestellungen auf Verdachtsmomente zu prüfen.


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