Es kann nicht gerade behauptet werden, dass es auf dem Gebiet der Wolkenkunde in den letzten Jahrzehnten zu übermäßigen Neuerungen gekommen ist. Die letzte Änderung am Internationalen Wolkenatlas wurde 1951 vorgenommen. Damals wurde die Wolkenart „cirrus intortus“, eine Unterart der Federwolke, aufgenommen. Inzwischen gibt es unter dem Namen „undulatus asperatus“ aber ein potentielles Neumitglied. Inhaber des Latinums wissen natürlich, dass sich dieser Name in etwa mit „aufgewühlte Wellen“ übersetzen lässt. Und genau so sieht die Form der Wolken auch aus: Wie ein durch heftigen Wind aufgepeitschtes Meer.


Planeten
Foto: Planeten; GuritxuCC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Entdeckt, dokumentiert und beschrieben wurde diese Wolkenform durch die „Cloud Appreciation Society“ – eine Organisation mit dem Ziel über Wolken zu informieren und die Faszination der Wolkenkunde zu verbreiten. Es ist sicherlich keine gravierende Wissenslücke, noch nie von dieser Vereinigung gehört zu haben. Aber eine interessante Randnotiz ist es schon, dass dieser Club weltweit mehr als 36.000 zahlende Mitglieder hat. Zum Vergleich: Fußball-Bundesligist Werder Bremen hat auch nur knapp 4000 Mitglieder mehr.

Die Wolkenformation wurde auf Fotos entdeckt

Jedenfalls gibt es auf der Webseite der Organisation eine große Fotogalerie, in der regelmäßig Bilder von – aus aller Welt eingeschickten – Wolkenformationen veröffentlicht werden. Bei einigen dieser Fotos gab es allerdings zunächst ein Problem: Selbst der Gründer der Organisation, Gavin Pretor-Pinney, konnte die Wolkenformen nicht eindeutig einer Wolkenart zuordnen. Zwar gab es bereits die Wolkenart „Undulatus“ – was lateinisch ist und in etwa „wellenförmig“ bedeutet. Doch diese Wolken sahen eher aus wie ein ruhiges, leicht vor sich hin plätscherndes Meer. Die neuartigen Wolkenformen hingegen waren viel größer, mächtiger und beeindruckender. Um ein lokales Phänomen schien es sich auch nicht zu handeln. Immerhin gab es unter anderem Fotos aus Australien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.


Nach weiteren Nachforschungen war für Pretor-Pinney dann klar: Hier handelt es sich um eine eigenständige Wolkenart. Sicherlich eine Unterart der Undulatus-Wolken, aber doch mit der Notwendigkeit einer eigenen Klassifizierung. Ein Lateinlehrer wurde konsultiert und dieser empfahl den Namen „undulatus asperatus“ – angelehnt an Virgils Beschreibung einer rauen See. Der erste Antrag bei der zuständigen „Weltorganisation für Meteorologie“ wurde allerdings noch abschlägig beschieden. Zunächst müsse eine wissenschaftliche Untersuchung vorliegen, forderten die UN-Beamten.

Wolkenatlas befindet sich in Überarbeitung

Inzwischen hat Graeme Anderson an der University of Reading eine Dissertation über die Klassifizierung des neuen Wolkentypus veröffentlicht. Pretor-Pinney hofft, somit alle Wünsche der Weltorganisation erfüllt zu haben. Die Gelegenheit zur Aufnahme einer neuen Wolkenart scheint gerade günstig, da der Internationale Wolkenatlas momentan ohnehin überarbeitet wird. Es wäre keine Überraschung, sollte sich in der Neuauflage dann eine 28. Wolkenart finden.

Quelle: The Verge

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