UNICEF baut in Malawi den weltweit ersten Drohnen-Hilfskorridor auf

Selbst bei optimalen Wetterbedingungen ist das Straßennetz in Malawi nicht mit europäischen Standards vergleichbar. Abgelegene Dörfer sind oft nur mit Mühe zu erreichen. Noch schlimmer wird die Situation bei heftigen Regenfällen oder Überschwemmungen. Dann sind die Feldwege für Fahrzeuge so gut wie unpassierbar. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF will sich mit dieser Situation allerdings nicht abfinden. Rund um den Flugplatz von Kasungu in der Mitte des Landes wurde daher ein vierzig Kilometer breiter Korridor eingerichtet. Dort sollen Drohnen zum Einsatz kommen, um wichtige Lieferungen sicher ans Ziel zu bringen. Bei einer ersten Testperiode im vergangenen Jahr waren dies beispielsweise Blutproben für HIV-Tests von Kindern.

Die Kinder scheinen von der neuen Technik bereits begeistert zu sein. Foto: UNICEF

Blutproben und Medikamente können schnell und sicher transportiert werden

Was in dem neuen Drohnenkorridor alles verschickt werden wird, steht noch nicht fest. Denn UNICEF wird das System lediglich betreiben. Forschungseinrichtungen, Krankenstationen, Hilfsorganisationen aber auch private Firmen können diese Infrastruktur dann nutzen, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Neben Blutproben, die zeitnah ins Labor geflogen werden, bietet sich beispielsweise die Auslieferung von Medikamenten per Drohne an. Den Angaben des Kinderhilfswerks zufolge haben bereits zwölf Organisationen angekündigt, die zur Verfügung gestellte Technik nutzen zu wollen. Die Drohnen sollen dabei in einer maximalen Höhe von 400 Metern über der Erde schweben – und so allen erdenklichen Hindernissen ausweichen können. Zunächst wird der Korridor ein Jahr lang in Betrieb bleiben. Anschließend kommt es zu einer Evaluation.

Bei Naturkatastrophen können die Drohnen auch die Kommunikation sicherstellen

Im Katastrophenfall können die unbemannten Flugobjekte zudem noch zahlreiche weitere Aufgaben übernehmen. So ist es möglich bei Überflutungen beispielsweise Luftbilder aufzunehmen, damit die Helfer sich einen Überblick über die Lage verschaffen können. Auch die Kommunikation kann in einem solchen Fall durch die Drohnen sichergestellt werden – in dem diese etwa ein Handysignal verbreiten. Letztlich ist der Drohnenkorridor aber auch als Experiment angelegt. Es bleibt abzuwarten, wie die ortsansässigen Firmen und Organisationen die Infrastruktur nutzen, um der Bevölkerung zu helfen. Erweist sich das Projekt rund um Kasungu als Erfolg, könnten ähnliche Hilfskorridore bald auch in anderen Gebieten aufgebaut werden. In Ruanda plant der Stararchitekt Sir Norman Foster unabhängig davon bereits ein Netz an Drohnenflughäfen zu errichten.

Via: UNICEF