Boris Johnson gehörte zu den prominentesten und wortgewaltigsten Unterstützern des Brexits. Für ihn persönlich hat sich das Engagement ausgezahlt: Im Zuge der notwendig gewordenen Kabinettsumbildung wurde er Außenminister. Nun sorgt er mit einem Vorschlag für Aufsehen, der den europäischen Kontinent wieder ein bisschen enger zusammen rücken lassen könnte. In einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron schlug er den Bau einer Brücke über den Ärmelkanal vor. Zugleich veröffentlichte er auf Twitter eine entsprechende Andeutung. Dort schrieb er: „Unser ökonomischer Erfolg hängt von einer guten Infrastruktur und guten Verbindungen ab. Sollte der Kanaltunnel nur ein erster Schritt sein?“ Darüber hinaus äußerte er sich zu seiner Idee aber noch nicht öffentlich.


Der britische Außenminister genießt bei Teilen der britischen Bevölkerung Kultstatus. By Foreign and Commonwealth Office [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Schon in den 1980er Jahren wurden ähnliche Ideen diskutiert

An seiner schmalsten Stelle ist der Ärmelkanal lediglich rund 34 Kilometer breit. Aus rein technischer Sicht sollte eine Brücke also kein Problem darstellen: Die Große Brücke Danyang-Kunshan in China ist rund fünfmal so lang. Ganz neu ist daher auch die Idee einer Verbindung über den Ärmelkanal nicht. Vielmehr fanden entsprechende Diskussionen bereits in den 1980er Jahren statt. Das Projekt wurde dann aber nie umgesetzt. Stattdessen eröffnete 1994 der Eurotunnel und sorgt seitdem für eine Zugverbindung zwischen England und Frankreich. Außerdem fahren regelmäßig Fähren über den Kanal. Doch Johnson ist dies offensichtlich nicht genug. Er verweist darauf, dass der Brückenbau durch den technischen Fortschritt heute viel einfacher zu realisieren wäre.

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Zuletzt aktualisiert am 20.02.2018

Die Kosten können bisher nicht seriös beziffert werden

Bleibt die Frage zu klären, was die französischen Partner von dieser Idee halten. Macron soll Presseberichten zufolge der Idee grundsätzlich zugestimmt haben. Noch ist aber unklar, ob es sich dabei um reine Höflichkeit handelt oder mehr dahinter steckt. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hingegen scheint zunächst auf Zeit zu spielen. Direkt auf die Brückenidee angesprochen, verwies er auf zahlreiche bereits laufende europäische Projekte: „Lasst uns diese Sachen fertigstellen, die bereits im Gang sind, bevor wir über neue nachdenken“, so der Politiker. Bisher ist auch noch völlig unklar, wie viel die Brücke über den Ärmelkanal kosten würde und wie sich Johnson die Finanzierung vorstellt.


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