Am Montag hat die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die erste luststeigernde Pille für Frauen freigegeben. Flibanserin wird mit Viagra für Männer im Kontext genannt und soll unter dem Namen Addyi im Oktober auf den Markt kommen. Das Mittel greift Experten zufolge jedoch tief in die weibliche Psyche ein. Desweiteren können Nebenwirkungen wie ein drastisches Herabsinken des Blutdrucks und Ohnmachtsanfälle auftreten. Der Genehmigungsprozess erstreckte sich über mehrere Jahre. Immer wieder wurden die Wirksamkeit und die Sicherheit der rosa Pille thematisiert. Nun errang die Pharmaindustrie einen kleinen Sieg. In den USA darf das Medikament jedoch nicht völlig uneingeschränkt konsumiert werden.


Pille Frauen
Addyi luststeigernde Pille für Frauen via Reuters

Lustpille für die Frau ist keine Eintagsfliege

Im Gegensatz zur blauen Pille für den Mann, regt Flibanserin bei Frauen unter anderem das im Hirn ansässige Sorotonin an. Der Botenstoff ist für die Laune aber auch den Appetit verantwortlich. Psychologin und Sextherapeutin Leonore Tiefer hatte erst im Juli mit einer Online Petition auf das neue Medikament für Frauen aufmerksam gemacht und erklärt, dass Addyi keine Pille ist, die man sporadisch eine Stunde vor dem Sex einnimmt und dann pure Lust verspürt. Das Medikament wirkt wohl langsam auf den Körper und muss zudem wochenlang regelmäßig eingenommen werden, bis die Wirkstoffe erst den positiven Effekt der Luststeigerung herbeiführen. Dem gegenüber stehen die teilweise schon ziemlich verzweifelten Forderungen von Befürworterinnen seitens der FDA endlich ein wirksames luststeigerndes Medikament freizugeben. Es ist dabei nicht unüblich, dass Ärzte besonderst verzweifelten Frauen regelmäßig Testosteroncremes verschrieben um die Libido anzuregen. Dieses Verfahren tolleriert die FDA jedenfalls nicht.

Flibanserin wurde ursprünglich als Anti-Depressiva konzipiert und im Nachgang dann jedoch als „Viagra für Frauen“ umfunktionalisiert. 2011 verkaufte der deutsche Konzern Boehringer Ingelheim das Medikament an das US-Startup Sprout.


Steigerung des Verlangens und Reduzierung des Stress-Levels

Sprout führte nach der Übernahme des Medikaments Tests an Frauen durch. Die Probandinnen berichteten nach der Einnahme von Flibanserin, dass bis zu einmal mehr eine sexuelle Befriedigung pro Monat erlebt wurde. Schließliche waren die Testerinnen auch im Fazit aktiver als Frauen, die nur ein Placeboprodukt erhielten. In der Folge füllten die Probandinnen auch Fragebögen aus, deren Auswertung ergab, dass Addyi wohl auch das sexuelle Verlangen steigere und im Gegenzug das Stresslevel senke.

Kritik, Nebenwirkungen und Auflagen

Die FDA knüpfte an die Zulassung von Addyi jedoch auch einige Bedingungen. So sollen Ärzte, Apotheken und auch Patienten sich im Vorab über die Risiken bewusst sein. Auch auf dem Etikett des Medikaments sind Warnungen aufgedruckt. So kann das Medikament zusammen mit Alkohol zu einem niedrigen Blutdruck in Kombination mit Ohnmachtsanfällen führen. Darüber hinaus kann es zu Gesundheitsproblemen kommen, wenn Addyi zusammen mit Pilzmitteln eingenommen wird. Die US-Behörde hat für Addyi einen Sicherheitsplan entworfen. Dieser sieht desweiteren vor, dass das Mittel erst dann verschrieben werden darf, wenn die Ärzte oder Apotheker ein Online-Zertifikat ausgefüllt haben. Damit wird bestätigt, dass über die Gefahren von Addyi aufgeklärt wurde.

Kritische Stimmen vertreten die Meinung, dass sich die FDA durch die im Vorfeld gelaufenen, feministisch angehauchten, Lobby-Kampagnen unter Druck setzen ließ und nun nachgab. Die Kampagnen unterstützten Unternehmen wie Sprout mit finanziellen Mitteln. Leonore Tiefer vertritt dabei einen klaren Standpunkt. „Das ist nur ein Mischmasch aus Politik, Wissenschaft, Sex und Geld“, so die Psychologin und Sextherapeutin.

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1 Kommentar

  1. sybille

    8. September 2015 at 20:01

    Addyi braucht kein Mensch!
    Tägliche Einnahme für maximal 1 mal mehr Sex monatlich…natürlich inklusive Nebenwirkungen.
    Nö danke, ich bleib bei Lissilust!!

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