Viele Lokomotiven der Harzer Schmalspurbahn (HSB) sind äußerst kommunikativ. Während sie auf dem gut 140 Kilometer langen Streckennetz unterwegs sind, informieren sie sich alle paar Sekunden über ihren aktuellen Standort, die Länge des Zuges, die Richtung, in der sie fahren und über andere sicherheitsrelevante Dinge. Sollten zwei von ihnen irrtümlich auf einem Gleis landen und aufeinander zufahren, benachrichtigen sie ihre Lokführer über die fatale Situation. Die bringen ihre Züge dann zum Stehen, oder sie werden zwangsweise abgebremst.


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Rail Collision Avoidance System (RCAS) im Test. (Bild: DLR)

Dampfabenteuer im Harz

Die HSB bieten mit 25 Dampfloks „eines der letzten großen Dampfabenteuer weltweit“, wie es auf der Homepage heißt. Diese und einige Dieselloks bedienen fahrplanmäßig ein paar Dutzend Orte im Harz. Eine Linie führt auf den 1141 Meter hohen Brocken, den höchsten Berg Norddeutschlands. Fast überall geht es eingleisig zu. Da bietet sich ein Kollisionswarngerät zusätzlich zu den übrigen Sicherheitseinrichtungen an. Denn diese können durch menschliche Fehler außer Kraft gesetzt werden, wie im Februar, als in Bad Aibling zwei Triebwagen kollidierten. Zwölf Menschen starben.

Jetzt werden die letzten Loks nachgerüstet

Das Rail Collision Avoidance System (RCAS) wurde 2014 in zwei Dampfloks der HSB eingebaut. Es funktionierte ohne jegliche Störung, obwohl das Streckennetz durch Berge, Schluchten und Tunnel führt. In diesem Jahr begann die Nachrüstung für die übrigen Lokomotiven. Im Laufe des Jahres sollen alle mit RCAS ausgestattet sein.


Entwickelt wurde das System vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Vorbild ist die Luftfahrt. Jedes Flugzeug ist mit einem Kollisionswarngerät ausgestattet, das mit allen Flugzeugen kommuniziert, die sich im Umkreis befinden. Geraten zwei auf Kollisionskurs löst es einen Alarm aus. Die damaligen Projektleiter, Thomas Strang und Andreas Lehner, gründeten 2012 das Unternehmen Intelligence on Wheels, das die RCAS-Technik vermarktet. Das HSB-Projekt ist der erste Verkaufserfolg.

Mit GPS und sensiblen Sensoren

Die Ortung basiert auf einem GPS-Empfänger. Da dieser allerdings zu ungenau ist, um zwei parallel verlaufende Gleise zu unterscheiden und in Tunneln gar nicht funktioniert, ergänzen äußerst sensible Sensoren die Ortung. Diese registrieren jede Richtungsänderung etwa in Kurven oder beim Passieren von Weichen. Beide Informationen werden mit einer gespeicherten Streckennetzkarte verglichen, sodass jede Lokomotive auf den Dezimeter genau weiß, wo sie sich gerade befindet.

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1 Kommentar

  1. Sarah

    12. September 2016 at 15:18

    Von der Technik her ist es gut, jedoch habe ich den Eindruck die Panikmachern zu beruhigen und damit mitzuteilen:“Leute, so ein menschliches Versagen, wird es nie wieder geben!“ Doch leider gibt es noch viel zu viele Gefahren, die über das menschliche hinaus gehen. Marode Brücken, veraltete Elektronik usw.
    Menschliches Versagen ist natürlich schlimm, doch sollten immer daran denken, wie oft und der Mensch uns auch in gewissen Situationen „gerettet“ hat.

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