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Warum wir den Kampf gegen Antibiotika-Resistenz verlieren

Antibiotika sind Allheilmittel. Das stimmt natürlich nicht, aber wenn man nüchtern betrachtet, bei welchen Gelegenheiten Antibiotika verschrieben werden, dann könnte man durchaus zu diesem Schluss kommen. Die Problematik übertriebenen Antibiotika-Einsatzes ist in den USA weitaus mehr verbreitet als in Europa, aber insgesamt handelt es sich um ein globales Problem. Denn die daraus resultierenden Antibiotika-Resistenzen lassen sich nicht von Landesgrenzen aufhalten, sondern sie wandern teilweise sogar von einem Kontinent zum anderen. Und diese Resistenzen sind ein Problem – denn nach und nach werden sie elementar wichtige Antibiotika wirkungslos werden lassen.

Spritze mit zwei Tropfen

Foto: Syringe With 2 Drops, ZaldyImg, Flickr, CC BY-SA 2.0

Kürzere Behandlungen könnte Gefahr von Resistenzen mindern

Natürlich ist die Verwendung von Antibiotika im medizinischen Bereich nicht der einzige Faktor in der Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen. Viel schwerwiegender noch ist die Verwendung diverser Antibiotika, die auch bei der Behandlung von Menschen zum Einsatz kommen, in der Massentierhaltung.

Dennoch besteht auch in der Medizin stets die Gefahr, dass Bakterien Resistenzen gegenüber bestimmten Antibiotika entwickeln. Wenn ein Bakterium eine solche Resistenz entwickelt, wird das betreffende Antibiotikum gegen durch diese Bakterien ausgelöste Infektionen wirkungslos. Es liegt also im Interesse der gesamten Menschheit, die Entwicklung solcher Resistenzen einzudämmen.

Ein Faktor, der in der Medizin zu der Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen begünstigt, ist die Behandlungsdauer. Diese basiert bei nahezu allen mit Antibiotika zu behandelnden Infektionen auf Schätzungen. Wie lange die jeweiligen Antibiotika tatsächlich genommen werden müssen, um die Infektion effektiv zu behandeln, ist zumeist nicht bekannt. Dies liegt daran, dass die empfohlene Behandlungsdauer oft auf Studien basiert, bei denen diese Dauer zum gewünschten Effekt führte. Allerdings gibt es nachfolgend nur selten Studien, die kürzere Behandlungsperioden testen.

Wird eine Infektion mit einem Antibiotika behandelt, aber nicht vollständig kuriert, bevor das Medikament abgesetzt wird, erhöht das die Gefahr der Entwicklung einer Resistenz. Genauso erhöht sich diese Gefahr jedoch mit der Dauer der Behandlung. Die optimale Behandlungsdauer wäre also “gerade lang genug”.

Medizin ist keine exakte Wissenschaft

Besonders bei jungen Ärzten ist die anfängliche Unsicherheit hoch. Diese legt sich mit steigender Erfahrung, aber besonders am Anfang des Berufslebens neigen Mediziner dazu, in jedem Kopfschmerz eine potentielle Meningitis, in jedem Husten eine beginnende Lungenentzündung und in jedem Fieber eine mögliche gefährliche Infektion zu sehen. Das Problem: Manchmal treffen diese Befürchtungen zu. Aus dieser Unsicherheit heraus wird oft “überbehandelt”, wodurch sich viele unnötig verschriebene Antibiotika ergeben. Hinzu kommt, dass Patienten, besonders in den USA, auch häufig auf Antibiotika drängen. So werden nicht selten Antibiotika verschrieben, bevor eine bakterielle Infektion (gegen Viren sind die Medikamente nutzlos) bestätigt wird.

Die Interessen des Einzelnen gegen die Interessen der Gemeinschaft

Ärzte wollen – zumindest im optimalen Fall – das Beste für ihre Patienten, weswegen teilweise recht schnell zum Antibiotikum gegriffen wird, oft auch zur Vorbeugung gegen Infektionen. Dies stellt sich natürlich als positiv für den Patienten dar, erhöht aber letztlich die Gefahr von Antibiotika-Resistenzen. Grundlegend für diese Problematik sind offenbar auch kulturelle Unterschiede. So werden in den USA vermehrt unnötig Antibiotika verschrieben, während in Europa vielfach zurückhaltender mit den Medikamenten umgegangen wird.

Fakt ist, dass die Verschreibung von Antibiotika in jedem Fall wohl überlegt sein will. Zwar gibt es diesbezüglich Richtlinien, diese werden aber nicht selten nicht konsequent genug befolgt. Hinzu kommt, dass es vielen Ärzten nicht bewusst ist, wie viel Schaden die unnötige Verschreibung von Antibiotika anrichten kann. Dem kann durch Programme zur Sensitivierung entgegengewirkt werden – sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten.

Letztlich kann dies aber nur dann erfolgreich sein, wenn wir auch strengere Regeln für die Nutzung von Antibiotika in der Viehzucht einführen. Es muss auf beiden Fronten gekämpft werden, um die Wirksamkeit von Antibiotika so lange wie möglich zu erhalten.

 

 

Quelle: Allen Check, Prof. für Infectious Diseases Epidemiology, Monash University via IFLScience

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