Die französische Nationalversammlung hat in Paris endgültig ein Gesetz über die nationale Energiewende beschlossen. Damit steckt Frankreich sich klare Ziele, die auch gesetzlich verankert entsprechend ernst genommen werden. In den nächsten Jahren soll eine deutliche Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen stattfinden. Darüber hinaus möchte Frankreich auch bis 2030 32 Prozent des gesamten Strombedarfs mit erneuerbaren Energien decken. Atomstrom hingegen soll von einem bisherigen Anteil von 75 Prozent auf 50 Prozent sinken.


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Frankreich möchte Atomstrom-Anteil reduzieren

Während für die Bundesregierung bisher lediglich ein Gedankenspiel existent ist, das prognostiziert, dass Deutschland bis 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien setzen könnte, hat Frankreich nun Nägel mit Köpfen gemacht und realistische Ziele gesetzlich normiert. Die sozialistische Regierung Frankreichs haderte vor allem bei der geplanten Reduzierung von Atomkraftwerken. Gegner aus der Atomlobby sehen dem Ziel skeptisch entgegen. Der Anteil des CO2-armen Atomstroms von nur noch 50 Prozent am Strommix, sei unrealistisch und würde der geplanten Verringerung des Treibhausgases entgegenstehen. Seit den 1970er-Jahren setzt Frankreich auf einen der größten Atomparks der Welt. 75 Prozent des gesamten Strombedarfs werden von 58 Reaktoren abgedeckt. Frankreich entschied sich bewusst für den Atomstrom, da Öl und auch Kohle Mangelware im Land sind. Ob und wenn ja wie viele Atomkraftwerke bis 2030 beziehungsweise 2050 abgestellt werden ist noch unklar. Hier sparte die Nationalversammlung an Klarheit. Die neuen Regelungen enthalten jedoch den Passus, dass die Höchstleistungen der französischen Kernkraftwerke auf das derzeitige Maß begrenzt bleiben. Der WWF und andere Umweltorganisationen sind von dieser Stelle des Gesetzes ein wenig enttäuscht und nennen den Mangel an Klarheit „le grand flou“ – „die große Unschärfe“.


40 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2030

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal bezeichnet das neue Gesetz hingegen als das „ehrgeizigste in ganz Europa“. Bis 2030 sollen 40 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden. 2050 möchte man sogar 75 Prozent weniger Treibhausgas produzieren. Als Bemessungsgrundlage fungieren die Werte aus 1990. Nach der Abstimmung des neuen Gesetzes zur Energiewende rief das deutsche Verbände-Bündnis Effizienzwende die Bundesregierung dazu auf, dem französischen Vorbild zu folgen und beim Thema Energieeffizienz nachzulegen. Schließlich sieht das Gesetz ergänzend vor, dass der Energieverbrauch bis 2050 um die Hälfte reduziert werden soll. Das gleiche Ziel steckte sich auch die Bundesregierung, an einer gesetzlichen Verankerung mangelt es jedoch bisher.

Förderung von Elektroautos, neue Finanzierungsmöglichkeiten für erneuerbare Energien

Mit der Reduktion des Energieverbrauchs, soll auch die Nutzung fossiler Energieproduzenten herunter gefahren werden. Frankreich möchte dabei unter anderem Elektroautos verstärkt fördern und auch bei der energetischen Gebäudesanierung unterstützen. Darüber hinaus möchte das Land in Zukunft neue Finanzierungsmöglichkeiten für erneuerbare Energien ermöglichen. Für die Förderung sollen 400 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Insgesamt weist das aktuelle Gesetz aus Frankreich starke Ähnlichkeiten mit der deutschen Energiewende auf. Während die Franzosen jedoch ein kontinuierliches Zurückfahren der Atommeiler anstreben, sollen die Werke in Deutschland bis 2022 komplett vom Netz gehen.

Frankreich möchte mit dem neuen Gesetz zur Energiewende mit gutem Beispiel vorangehen klares Zeichen setzen. Mit den gesetzlich normierten Zielen, langfristig besser energetisch zu haushalten und erneuerbare Energien voranzutreiben, kann das Land den in wenigen Monaten stattfindenden Weltklimagipfel positiv gestimmt angehen. Frankreich ist in diesem Jahr Gastgeberland, der Weltklimagipfel findet vom 30. November bis 11. Dezember in Paris statt.

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