Als Facebook vor einigen Jahren den aufstrebenden Messenger WhatsApp übernahm, musste das Unternehmen tief in die Tasche greifen: Stolze 22 Milliarden Dollar betrug der Kaufpreis damals. Zudem versprach Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass der Dienst auch zukünftig werbefrei bleiben werde. Das allerdings wirft seitdem die Frage auf, wie der Kauf dann refinanziert werden soll. Bisher nämlich hat Facebook noch keinen Weg gefunden, die enormen Nutzerzahlen von WhatsApp zu monetarisieren. Ein Experiment in Indien könnte allerdings zeigen, wie der Messenger zukünftig auch ohne Werbeeinblendungen Geld verdienen kann: Dort wird WhatsApp erstmals mobile Zahlungsfunktionen integrieren. Kunden können dann direkt im Messenger Geld verschicken und Rechnungen bezahlen.


Whatsapp

Mobile Zahlungsformen sind in Indien vergleichsweise weit verbreitet

Indien wurde als Testmarkt keineswegs willkürlich ausgesucht. Vielmehr hat WhatsApp dort mehr als 200 Millionen Nutzer – mehr als in jedem anderen Land der Erde. Zudem ist mobile banking in Indien recht weit verbreitet: Alleine im Januar 2017 wurden Transaktionen im Wert von 1,2 Milliarden Euro auf diese Weise abgewickelt. Dies hängt auch damit zusammen, dass diese Form des Geldtransfers von der Regierung gefördert wird. Denn so können Bargeldtransaktionen ersetzt werden, die traditionell anfällig für Korruption und Geldwäsche sind. Die Regierung hat daher einen Dienst namens „Unified Payment Services“ eingerichtet, der Transfers zwischen verschiedenen mobilen Bezahlsystemen und Bargeldnoten abwickelt. WhatsApp müsste daher in Indien kein komplett neues System errichten.


PayTM und Wechat sind die größten Konkurrenten für WhatsApp in Indien

Die Konkurrenz auf dem Markt für mobile Zahlungsfunktionen ist allerdings groß. So ist in Indien aktuell das Startup PayTM Marktführer in diesem Segment. An dem Unternehmen ist unter anderem der finanzkräftige chinesische Alibaba-Konzern beteiligt. In China selbst hingegen ist der Messenger Wechat im Bereich des mobile payments am erfolgreichsten. Per Chatbot können dort nicht nur Flüge gebucht und Überweisungen getätigt werden. Sogar der Kauf von Aktien und Anleihen ist möglich. Unter Experten gilt als sicher, dass der Messenger zeitnah auch den indischen Markt verstärkt in den Blick nehmen wird. Es bleibt daher abzuwarten, wie erfolgreich WhatsApp mit seinem Angebot in Indien sein wird – und ob ähnliche Funktionen zukünftig auch in Deutschland angeboten werden.

Via: Engadget

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.