Der österreichische Ort Guessing liegt an der Grenze zu Ungarn, noch vor 25 Jahren handelte es sich um eine der ärmsten Städte des Landes. Jobs waren kaum vorhanden, zahlreiche Bewohner wanderten ab. Dann besann man sich auf eine wertvolle Ressource: Berge modernden Holzes aus alten Fabriken.


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Moderndes Holz als Energieträger?

»Die ganze Welt sollte Guessing werden!«

Heute hat sich die Stadt zu einem ökologischen Vorbild gewandelt, arbeitet zu 80 % kohlenstoffneutral und die Menschen finden endlich wieder Jobs. Vor zwei Jahren äußerte sich Arnold Schwarzenegger bei einem Besuch vor Ort enthusiastisch: »Die ganze Welt sollte Guessing werden!« Reinhold Koch, als planender Kopf hinter dem erstaunlichen Aufschwung, erklärt, dass alles mit einem Haufen modernden Holzes begann. Er erkannte schon damals, dass es sich nicht lohnt, Millionen in teure fossile Energieträger zu investieren, wenn massenhaft Holz aus alten Holzfällbetrieben zur Verfügung steht, inklusive großer Waldflächen. Der damalige Bürgermeister von Guessing, Peter Vadasz, engagierte sich ohnehin leidenschaftlich für die Umwelt, darum lief Koch bei ihm offene Türen ein.

Vom Holzheizkraftwerk zur Biomasse-Anlage

Österreichs EU-Beitritt ermöglichte dem Ort 1995 den Bau eines Holzheizkraftwerkes, außerdem wurden alle öffentlichen Gebäude wärmegedämmt und verabschiedeten sich von der Nutzung fossiler Brennstoffe. Guessing war nun plötzlich in der Lage, interessierten Firmen attraktive Energieangebote zu unterbreiten, neue Unternehmen siedelten sich an. Wenn 50 % der Bewohner einer Straße ebenfalls durch das Holzkraftwerk versorgt werden wollten, stellte die Stadt die Leitungen bereit, oftmals folgten die Zögerlichen kurz darauf nach.


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Wälder: Guessings natürliche Ressourcen

2001 gelang dann der endgültige Duchbruch, als Guessing mit Hilfe des Wiener Wissenschaftlers Hermann Hofbauer ein neuartiges Biomasse-Kraftwerk errichtete. Diesem Experten gelang es, ein System ins Leben zu rufen, das Energie produziert, indem es Holz in ein sauberes Gas umwandelt und dabei die CO2-Emissionen gegenüber dem Verbrennen drastisch senkt. Halb Guessing wird heute durch dieses Kraftwerk versorgt, die restliche Energie stammt zum größten Teil aus anderen ökologischen Quellen. Etwa 50 neue Firmen haben sich inzwischen in dem ehemals verarmten Ort niedergelassen, darunter zwei große Parketthersteller. Und das, obwohl es hier noch immer keinen Autobahnanschluss und auch keine Zugverbindung gibt.

Quelle: phys.org

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