Die Diskussion rund um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) als Lösung für das Problem der fortlaufenden Verdrängung menschlicher Arbeiter durch automatische Prozesse (die teilweise auch vor der Dienstleistungsbranche keinen Halt macht) ist in vollem Gange. Finnland testet das Konzept des BGE aktuell in einem weltweit einmaligen Pilotprojekt. Nun meldete sich ein langjähriger Verfechter des BGE, Guy Standing, zu Wort und kündigte an, dass die Regierung von Indien demnächst einen Bericht veröffentlichen wird, in dem sie das BGE als den „Weg für die Zukunft“ einordnen wird.


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Foto: Michael Kammler

Das bedingungslose Grundeinkommen in Indien

Der Bericht wird Teil der jährlichen Economic Survey des Finanzministeriums des größten demokratischen Landes der Erde sein. In Indien wurden bereits einige Erfahrungen mit Pilotprojekten bezüglich des bedingungslosen Grundeinkommens gemacht. Hinter diesen Projekten steht Standing, der eines der Gründungsmitglieder des Basic Income Earth Network ist. Gegenüber Business Insider sagte Standing:

The most striking thing which we hadn’t actually anticipated is that the emancipatory effect was greater than the monetary effect. It enabled people to have a sense of control. They pooled some of the money to pay down their debts, they increased decisions on escaping from debt bondage. The women developed their own capacity to make their own decision about their own lives.

Standing ist mit seiner Forderung nach einem BGE in Indien nicht alleine. Auch Arvind Subramanian, einer der führenden Wirtschaftsberater Indiens, unterstützt die Bemühungen im die Einführung eines BGE.


Das BGE als Lösung des Armutsproblems

Indien hat eine Bevölkerung von knapp 1,3 Milliarden Menschen und eine wachsende Wirtschaft. Dennoch leben knapp 30 Prozent der Bevölkerung in Armut, speziell in ländlichen Gegenden. „People are dragged into poverty due to droughts, declining agriculture opportunities, disease, and so on. So the safety net provided by the government should be quite wide, and that is why basic income has some merit„, so Subramanian in einer Rede an einer indischen Universität.

Standing erwartet allerdings, dass auch in Indien nicht von heute auf morgen ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird. Dafür wäre die Änderung viel zu abrupt. Aber wenn die Regierung das BGE als Lösung des Armutsproblems sehe, dann sei dies ein erster Schritt zur Implementierung des Konzepts.

Jobgefährdung durch Automatisierung

Das steigende Interesse zahlreicher Länder am Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens ist kein Zufall, sondern steht im Zusammenhang mit der fortschreitenden Automatisierung. In China möchte der Apple-Zulieferer Foxconn nahezu alle Arbeiter durch Roboter ersetzen, und auch die Dienstleistungsbranche ist diesbezüglich kein Tabu mehr. Experten sehen im bedingungslosen Grundeinkommen eine potentielle Lösung für die zu erwartende steigende Arbeitslosenrate.

Das bedingungslose Grundeinkommen hat zahlreiche prominente Unterstützer, darunter auch viele erfolgreiche Unternehmer wie etwa Tesla-Chef Elon Musk.

Was genau der Bericht der indischen Regierung für das Volk bedeutet, lässt sich noch nicht sagen. Mit einer schnellen Implementierung ist nicht zu rechnen, aber es ist durchaus möglich, dass Indien das Konzept als erstes umsetzen wird.

via Futurism

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1 Kommentar

  1. Prof. Dr. Johannes Heinrichs

    9. Januar 2017 at 14:08

    Es wäre sinnvoll, ein bedingtes Grundeinkommen einzuführen, wie es in Auroville (bei Puducherry/Pondicherry) schon praktiziert wird: Jeder leistet einen gewissen Beitrag zum Gemeinwohl, und sei es z.B. Müllbeseitigung, die in Indien so dringend erforderlich wäre. Der Zusammenhang von Geben und Nehmen muss grundsätzlich in einem Gemeinwesen gewahrt werden – und dies gerade bei der passiven Mentalität vieler Inder. Das entspräche auch mehr dem Gerechtigkeitssinn der Menschen.

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