Wirkungsgrad 22,3 Prozent: Deutsche Forscher stellen neuen Rekord für multikristalline Siliziumsolarzellen auf

Weltweit werden immer mehr Flächen für die Produktion von Solarenergie zur Verfügung gestellt. Besonders in dicht besiedelten Ländern müssen dafür inzwischen aber kreative Lösungen gefunden werden. So werden in Japan alte Golfplätze und bereits vorhandene Wasserreservoirs für die Aufstellung von Solarpanels genutzt. Theoretisch ist aber auch ein anderer Weg denkbar: Erhöht sich der Wirkungsgrad der Solarzellen, kann auf der gleichen Fläche wie bisher mehr saubere Energie produziert werden. Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg haben in diesem Zusammenhang nun eine wichtige Entwicklung gemacht: Erstmals ist es ihnen gelungen, multikristalline Siliziumsolarzellen mit einem Wirkungsgrad von über 22 Prozent herzustellen. Statt wie bisher bei 21,9 Prozent liegt der Rekordwert nun bei 22,3 Prozent.

Diese Solarzellen erreichten den neuen Rekordwert von 22,3 Prozent. Foto: Fraunhofer ISE

Solarstrom könnte auf diese Weise noch günstiger werden

Auf den ersten Blick scheint dies nicht besonders viel zu sein. Global zum Einsatz gebracht, können aber schon geringe Verbesserungen in der Effizienz zu deutlich weniger Flächenbedarf führen. Dies wiederum bedeutet dann auch: Die Kosten für die Produktion von Solarstrom sinken weiter. Dies war auch in der Vergangenheit bereits der Fall und hatte interessante Folgen: In Indien wurden etwa mehr als einhundert Kohleminen geschlossen, weil dort Solarenergie inzwischen deutlich preiswerter und umweltfreundlicher produziert werden kann. Die Entwicklung des Fraunhofer Instituts könnte nun dazu beitragen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird die neue Solarzelle in dieser Woche auf der „European Photovoltaic Solar Energy Conference“ in den Niederlanden.

Jeder einzelne Produktionsschritt wurde genau unter die Lupe genommen

Multikristalline Siliziumsolarzellen konkurrieren auf dem Weltmarkt mit Solarmodulen, die auf monokristallines Silizium setzen. Ihr Vorteil: Sie sind in der Produktion deutlich günstiger – erreichen aber auch geringere Wirkungsgrade. Für die meisten Investoren sind sie dadurch attraktiver: Der Weltmarktanteil liegt bei 57 Prozent. Die Wissenschaftler am Fraunhofer Institut haben bei ihrer Entwicklung nicht auf die eine geniale und neue Idee gesetzt, sondern eine gesamtheitliche Betrachtung gewählt. Mit anderen Worten: Jeder einzelne Produktionsschritt wurde genau unter die Lupe genommen und weiter verbessert. Auf diese Weise konnte der Wirkungsgrad insgesamt signifikant gesteigert werden. Weitere Verbesserungen sind zukünftig zudem nicht ausgeschlossen.

Via: Fraunhofer