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Wissenschaftler recyceln Batterien zu 75 Prozent

Forschern der Universität Braunschweig gelang es, ein Lithium-Ionen-Batteriesystem zu 75 Prozent zu recyceln. Bei bisherigen Systemen können kaum 60 Prozent wiederverwertet werden, es handelt sich also um einen bedeutenden Schritt nach vorne.

Bisheriger Lithium Ionen Akku (Bildquelle: wiki commons / User: J.Ash Bowie)

Bildquelle: wiki commons / User: J.Ash Bowie

Mechanische Wiederverwertung führt zu höherer Ausbeute

Für gewöhnlich landen Akkus in großen Schmelzöfen, mit denen sie eingeschmolzen werden, um an die darin enthaltenen Metalle zu kommen. Lithium-Ionen-Akkus enthalten unter anderem Kobalt, Nickel und Kupfer. Jedoch wird für dieses Verfahren eine große Menge Energie benötigt. Dem Team aus Braunschweig gelang es, die Akkus mit deutlich weniger Energieaufwand zu recyceln, indem sie die Batterien mechanisch aufbereiten, sie also Stück für Stück zerlegen. Das Verfahren ist so in seiner Art weltweit einzigartig. Gleichzeitig ist es aber auch aufwendiger. Dieser Mehraufwand soll sich aber lohnen, da ein größerer Anteil der Bestandteile wiederverwendet werden kann. Die Restenergie aus den Akkus geht dabei nicht verloren, sondern wird in das Stromnetz der Universität eingespeist.

Recycling von Elektroauto-Akkus

Besonderer Bedeutung könnte der neuen Methode im Bereich der Elektroautos zukommen. Momentan halten Experten es für Verschwendung, Akkus aus Elektroautos direkt nach einem notwendigen Austausch zu recyceln. Daher arbeiten die Autohersteller mit Energieunternehmen zusammen, um die alten Akkus weiter zu verwenden. In Lünen in Westfalen wollen die Unternehmen Daimler, The Mobility House, Getec und Remondis nächstes Jahr den weltweit größten Second(2nd)-Use-Batteriespeicher aufstellen und den Strom ins deutsche Netz einspeisen. Mit dem Speichersystem sollen kurzfristige Energieschwankungen ausgeglichen werden.

Das Recycling von Akkus aus Elektroautos wird sich erst lohnen, wenn weltweit mehr dieser Wagen im Einsatz sind. Die in den Akkus enthaltenen Metalle sind teuer, aber bisher steht der Aufwand beim Recycling in keinem Verhältnis zu dem zu betreibenden Aufwand. In Zukunft könnte sich das ändern – auch dank des Verfahrens aus Braunschweig. Mit besseren Recyclingmethoden würden auch die Preise für die Akkus sinken, was die Elektroautos finanziell attraktiver machen würde. Dadurch würden auch wieder mehr dieser Autos verkauft werden, die beiden Effekte würden sich daher gegenseitig begünstigen.

Der Prozess der Wissenschaftler aus Braunschweig ermöglicht es, wertvolle Materialien zurückzugewinnen, mit denen sich die Primärrohstoffe von Traktionsbatterien ersetzen lassen könnten. Dies würde sowohl der Elektromobilität als auch der Reduzierung der Abhängigkeit von den in den Akkus enthaltenen Rohstoffen zugute kommen.

In Zukunft wollen die Wissenschaftler ihr Verfahren weiter verbessern. So sollen beispielsweise auch Elektrolyte und Anodenbeschichtungen wiederverwertet werden können – Materialien, die heute verloren gehen, weil die Wiederverwertung aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sinnvoll ist. Apropos Wirtschaftlichkeit: Noch ist nicht klar, ob das Verfahren im aktuellen Entwicklungsstadium überhaupt lohnenswert zu betreiben ist. Dies untersucht das Team aktuell mit einer Testanlage.

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