Bis zur Bildung einer neuen Regierung wird das Bundesumweltministerium noch von der SPD-Politikerin Barbara Hendricks geführt. Da ihre Partei bereits angekündigt hat, in die Opposition zu gehen, hat sie keine Chance, langfristig Ministerin zu bleiben. Diese Freiheit hat die Politikerin nun genutzt, um eine unangenehme Wahrheiten über die deutsche Klimapolitik zu präsentieren: Deutschland wird die zugesagte CO2-Reduzierung bis zum Jahr 2020 nicht einhalten können. Ursprünglich sollten die Emissionen im Vergleich zum Referenzjahr 1990 um vierzig Prozent sinken. Nun kommen die Beamten zu dem Schluss: Ohne weitere Maßnahmen dürfte lediglich ein Wert von 32,5 erreicht werden. Vor der Bundestagswahl waren noch 38 Prozent für realistisch gehalten worden.


Via: Popsci Copyright: Seddon et al

Schuld an der verfehlten Zielmarke sind vor allem vier Aspekte:

1. Zu viel Kohlestrom


Während Länder wie Frankreich und Kanada längst den Kohleausstieg beschlossen haben, konnte sich die deutsche Regierung in diesem Punkt nicht einigen. Nicht zuletzt auch aufgrund des Atomausstiegs, spielt die Verbrennung von Kohle noch immer eine wichtige Rolle im deutschen Energiemix. Aus Sicht des Klimas ist dies fatal: Es gibt kaum eine Methode zur Stromproduktion, die mehr Emissionen verursacht. Die Beamten des Umweltministeriums schätzen, dass alleine im Energiesektor zehn bis zwanzig Millionen Tonnen mehr CO2-Emissionen anfallen werden als geplant.

2. Das Wachstum

Deutschland erfährt aktuell ein doppeltes Wachstum: Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt ebenso stark nach oben wie die Anzahl der Einwohner. Grundsätzlich ist dies sehr erfreulich. Es bedeutet aber auch, dass mehr Klimaemissionen verursacht werden. Von der sogenannten demographischen Dividende kann das Land beim Thema Klima also nicht profitieren. Dieser Punkt verschärft zudem die Problematik im Energiesektor: Denn mehr Menschen und eine stärkere Wirtschaft verbrauchen natürlich auch mehr Strom.

3. Der Verkehrssektor

In den letzten Jahren ist die Fahrleistung sowohl von PKWs als auch von Lastwagen stark angestiegen. Der Umstieg auf die Schiene kommt also nicht so richtig voran. Selbiges gilt auch für die Verbreitung von Elektroautos. Hier wollte die Bundesregierung ursprünglich bis zum Jahr 2020 eine Millionen Fahrzeuge auf die Straße bringen. Dieses Ziel wurde längst aufgegeben – womit aber auch die entsprechenden Einsparungen bei den Klimaemissionen wegfallen.

4. Die Heizungsenergie

Nicht nur bei der Stromproduktion sind die Emissionen weniger stark gesunken als prognostiziert. Selbiges gilt auch bei der Heizenergie in Gebäuden. Der scheidende Wirtschaftsminister Gabriel hatte daher das Thema Energieeffizienz forciert und wollte beispielsweise die Dämmung von Gebäuden stärker fördern. Noch ist abzuwarten, ob diese Initiative Erfolg haben wird.

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