Endlich mal wieder gute Nachrichten für die noch amtierende Bundesregierung: Die eigentlich erst für das Jahr 2020 geplante Zielmarke für den Ausbau der Erneuerbaren Energien wird bereits in diesem Jahr erreicht. Anstatt der angepeilten 35 Prozent lag der Anteil am Bruttostromverbrauch in diesem Jahr sogar bereits bei 36 Prozent. Dies geht aus einer Schätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor. Im vergangenen Jahr lag der entsprechende Wert noch bei 31,6 Prozent. Verantwortlich für den Anstieg ist vor allem die Windenergie. Diese konnte sowohl an Land (+31 Prozent) als auch auf dem Wasser (+49 Prozent) ihre Stromproduktion deutlich steigern. Zumindest zum Teil ist dies aber auch auf besonders gute Windbedingungen zurückzuführen – die sich im nächsten Jahr nicht zwingend wiederholen müssen.


Noch immer muss zu viel Kohlestrom in die Nachbarländer exportiert werden

Auch die Photovoltaik und die Biomasse legten bei der produzierten Strommenge leicht zu. Hier lag der Anstieg aber lediglich im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Der Bundesverband verknüpfte die positive Nachricht zudem sogleich auch mit einer Aufforderung an die Politik: Um das volle Potential der Erneuerbaren Energien auszuschöpfen, müsse der Netzausbau endlich entschieden vorangetrieben werden. Wie dringlich dies ist, zeigt eine Zahl: Während der Anteil der Erneuerbaren Energien beim Stromverbrauch bei 36 Prozent liegt, kommen sie bei der Stromerzeugung lediglich auf 33 Prozent. Der Grund: Deutschland exportiert nicht unerhebliche Mengen an Kohlestrom in verschiedene Nachbarländer. Aufgrund des Einspeisevorrangs für die Erneuerbaren Energien und den fehlenden Speicher- und Transportmöglichkeiten bleibt den Netzbetreibern oft keine andere Wahl, wenn sie die Versorgungssicherheit nicht gefährden wollen.

Auch der Verkehrssektor hinkt in Sachen Energiewende hinterher

Grundsätzlich gibt es aber auch in Sachen Kohlestrom gute Nachrichten: Der Anteil von Stein- und Braunkohle am deutschen Strommix ist um vier Prozent gesunken und liegt nun bei 37 Prozent. Gut möglich also, dass die Erneuerbaren Energien schon im nächsten Jahr die Kohle in diesem Punkt überholen. Einen Termin für den vollständigen Kohleausstieg gibt es in Deutschland allerdings noch immer nicht – obwohl viele gute Gründe dafür sprechen. Ein wichtiger Punkt der Energiewende ist allerdings auch weiterhin offen: Der Verkehrssektor basiert noch immer vornehmlich aus fossilen Energieträgern. Das Elektroauto spielt bei den neu zugelassenen Wagen in Deutschland – anders als etwa in Norwegen – nur eine marginale Rolle. Und auch die Verlagerung von Gütern auf die Schiene kommt nicht voran.


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