Zu Demonstrationszwecken: Googles Alphabet will in Toronto einen ganzen Stadtteil entwickeln

Googles Ambitionen gehen längst über die eigene Suchmaschine und die dort platzierte Werbung hinaus. Sichtbarstes Zeichen dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass es inzwischen einen Mutterkonzern namens Alphabet gibt, in dem die verschiedenen Geschäftsfelder zusammengefasst sind. Eine Tochterfirma von Alphabet nennt sich beispielsweise Sidewalk Lab LLC und hat die Aufgabe eine alte Vision von Google-Gründer Larry Page umzusetzen: Neue Technologien zum Einsatz zu bringen, um viele innerstädtische Probleme zu lösen. Dazu gehören natürlich naheliegende Themen wie Funklöcher und Lücken im Breitbandausbau, aber auch Dinge wie Verkehrsstaus und zu hohe Mieten. In Toronto will Sidewalk Lab nun einen kompletten Stadtteil von Grund auf entwickeln und dabei zeigen, wie neue Technologien altbekannte Probleme lösen können.

Benötigt dringend neuen Wohnraum: Toronto. Foto: Wladyslaw, CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Ein ehemaliger stellvertretender Bürgermeister von New York steht hinter der Idee

Insgesamt geht es um ein Gebiet mit einer Fläche von 49.000 Quadratmetern. Das städtische Unternehmen Waterfront Toronto will dort einen neuen Stadtteil namens Quayside errichten lassen und hat daher Firmen aus aller Welt um Vorschläge gebeten. Wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, gehört Sidewalk Labs zu den stärksten Interessenten. Über die genauen Pläne der Alphabet-Tochter für den Stadtteil ist noch nichts bekannt. Deren Vorstandsvorsitzender Dan Doctoroff hat in der Vergangenheit aber immer wieder von Dingen wie autonomen Verkehrsmitteln, Highspeed-Internet und smarter Datensammlung und -auswertung mithilfe von integrierten Sensoren gesprochen. Doctoroff selbst ist kein reiner Träumer aus der Tech-Branche, sondern war einst immerhin stellvertretender Bürgermeister von New York City.

Sidewalk Labs betreibt bisher öffentliche WLAN-Hotspots

Grundsätzlich scheint Toronto dabei recht gut für ein solches Experiment geeignet zu sein: Die Stadt gilt als besonders technikaffin und benötigt dringend neuen Wohnraum. Bisher hat Sidewalk Labs allerdings nur ein öffentlich bekanntes Projekt tatsächlich in Angriff genommen und umgesetzt: Unter dem Namen LinkNYC wurden alte Telefonzellen zu WLAN-Hotspots umgerüstet. Die Finanzierung wiederum erfolgt im klassischen Google-Stil: Auf 55-Zoll-Bildschirmen wird Werbung gezeigt. Bis zum Jahr 2029 sollen auf diese Weise immerhin Erlöse von 500 Millionen Dollar generiert werden. Welche Art der Finanzierung zum Einsatz kommen soll, um die Entwicklung des Stadtteils in Toronto zu refinanzieren, ist bisher nicht bekannt.