Das wohl innovativste Dach der Welt haben Forscher in Zürich gebaut. ist 162 Quadratmetern groß, hat elegante Buckel und ist extrem dünn. An den Rändern sind es drei, an den dicksten Stellen zwölf Zentimeter, eine massive Materialeinsparung. Das Dach entstand ohne die üblichen Schalbretter, also noch eine Einsparung.


Foto: Block Research Group, ETH Zürich / Naida Iljazovic

Betongewicht bringt das Dach in Form

Die Bauexperten der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich spannten zwischen mehreren Auflagepunkten ein Stahlnetz. Darauf legten sie eine Kunststofffolie, auf die Beton in unterschiedlicher Dicke gespritzt wurde. Das Netz gab unter der Last des Baustoffs nach, und zwar genau so wie die Wissenschaftler es zuvor mit einer neuartigen Rechenmethode vorausgesagt hatten. Mit dieser Methode lassen sich abenteuerlich geformte Dächer herstellen. Weiterer Vorteil dieser Konstruktion: Während der Herstellung des Daches kann darunter bereits mit Innenausbauarbeiten begonnen werden, weil keine Stützen für Schalbretter stören.

„Wenn wir die Geometrie richtig berechnen, dann gewinnen wir die Stabilität primär aus der Geometrie und nicht aus dem Baumaterial“, sagt Philippe Block, Professor für Architektur und Tragwerk. Er hat die neue Bautechnik gemeinsam mit Tom Van Mele und dem Architekturbüro supermanoeuvre entwickelt. Das Kabelnetz wiegt nur 500 Kilogramm, das Textil 300 Kilogramm. Es handelt sich also um insgesamt nur 800 Kilo Material, die 20 Tonnen nassen Beton tragen.


Generalprobe für einen innovativen Wohntrakt

Das Dach bauten die Wissenschaftler, um zu beweisen, dass es so funktioniert. Es war die Generalprobe für die Bedachung eines Wohntrakts, der im nächsten Jahr auf einem Forschungsgebäude in Dübendorf nahe Zürich errichtet wird. Das dort geplante Dach wird mehrere Schichten haben. In die erste Lage Beton werden Heiz- und Kühlschlangen eingelegt. Darauf kommt eine Isolationsschicht, die Wärme- und Kälteverluste verhindern soll. Eine zweite Lage Beton schließt das Dach nach oben ab. Darauf werden Dünnschicht-Solarzellen montiert. Auch die Fassade wird dann mit Solarmodulen ausgestattet. Pufferbatterien sorgen dafür, dass es auch nachts und bei bedecktem Himmel genügend Strom gibt. Die Planer gehen davon aus, dass die Fotovoltaikanlage mehr Strom erzeugt als die Einheit benötigt, sodass ein Teil ins Netz eingespeist werden kann.

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