Fleisch ist für viele Menschen integraler Bestandteil der Ernährung. Vor allem in modernen Industrieländern ist häufiger Fleischkonsum aber ethisch nur schwer vertretbar. Je nachdem, welche Quelle man fragt, bindet die industrielle Produktion von einem Kilo Rindfleisch zwischen 2000 und 15.000 Liter Wasser und verursacht das Äquivalent von 36 Kilogramm CO²-Emissionen. Ganz zu schweigen von der Belastung, die der Anbau von Soja als Futtermittel für die Umwelt darstellt. Zwischen 80 und 90 Prozent des weltweit angebauten Sojas geht in die Futtermittelproduktion. Eine Lösung für all diese Probleme könnte Fleisch aus dem Labor sein. Bevor dieses für den täglichen Einsatz bereit ist, wird aber noch einige Zeit vergehen.


Bild:  Steak, Taryn, Flickr, CC BY-SA 2.0
Bild: Steak, Taryn, Flickr, CC BY-SA 2.0

Labor statt Massentierhaltung

Die wenigsten Menschen machen sich wirklich Gedanken darüber, was mit dem Steak auf ihrem Teller einhergeht. Das ist nicht unbedingt verwerflich, ändert aber nichts daran, dass die Massentierhaltung nicht nur für die Tiere problematisch ist, sondern die Umwelt insgesamt stark belastet.

Würde ein Großteil unseres Fleisches nicht aus der Tierhaltung kommen, sondern künstlich im Labor gezüchtet werden, ließen sich viele der Probleme vermeiden, die mit industrieller Fleischproduktion einhergehen.


2013 entwickelte Mark Post von der Universität Maastricht Burger Patties, die im Labor gezüchtet wurden. Er verwendete dafür die selben Zellen, die sich auch bei Rindern zu Muskelfleisch entwickeln. Die Burger Patties bestanden aus je 20.000 Muskelfasern, die aus Rinder-Stammzellen gezüchtet wurden. Tester monierten jedoch die Farbe und die mangelnde Saftigkeit, die in klassischem Fleisch von Fett verliehen wird.

Aktuell sammelt ein israelisches Startup namens SuperMeat über Crowdfunding Mittel, um künstliches Fleisch zu entwickeln, das exakt wie echtes Fleisch schmeckt. Die Idee basiert dabei auf die gleichen Prinzipien wie das Burgerfleisch von Mark Post.

Das Problem an der Sache: Fleisch aus dem Labor ist aktuell noch sehr teuer. SuperMeat ist gerade in der Finanzierungsphase, aber die Patties von Mark Post kosteten pro Stück etwa 331.000 US-Dollar. Dennoch ist die Forschung in diesem Bereich wichtig. Eines Tages könnte Fleisch aus dem Labor eine wichtige Rolle in unserer Ernährung spielen.

Fleisch aus dem Labor wäre besser für die Umwelt

Generell ist Fleisch in der Ernährung durchaus gesund. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass es gesundheitsschädigend ist, zu viel Fleisch zu essen. So erhöht beispielsweise rotes Fleisch die Gefahr, an Darmkrebs zu erkranken. Post zeigte sich optimistisch, dass „künstliches“ Fleisch weniger gesundheitsgefährdend ist, da unter anderem die Antibiotika-Problematik komplett umgangen werden könnte und der Herstellungsprozess deutlich engmaschigere Kontrollen ermöglichen würde.

Viel wichtiger aber noch als gesundheitliche Faktoren sind die Vorteile, die eine Reduktion oder sogar gänzliche Abschaffung der Massentierhaltung für die Umwelt hätte. Die globale Viehzucht ist für 14,5 Prozent der jährlichen CO²-Emissionen verantwortlich und belegt etwa 30 Prozent der eisfreien Landfläche unseres Planeten.

Nach Schätzungen der UN wird der Fleischkonsum bis 2030 um weitere 10 Prozent ansteigen – was die Emissionen und den Platzbedarf natürlich noch erhöhen wird.

Nach Angaben von SuperMeat benötigt Fleisch aus dem Labor 99 Prozent weniger Land, emittiert 96 Prozent weniger Treibhausgase und verbraucht 96 Prozent weniger Wasser als durch Viehzucht produziertes Fleisch.

Einführung des Laborfleischs könnte Probleme machen

Das erste Problem, dass es im Zusammenhang mit der Fleischproduktion im Labor zu überwinden gilt, ist der Preis. Doch auch dann gibt es noch Schwierigkeiten. So gehen die Forscher davon aus, dass es sowohl kulturelle als auch gesellschaftliche Faktoren zu überwinden gilt, bevor im Labor gezüchtetes Fleisch als Nahrungsmittel akzeptiert wird. Außerdem hängen viele Jobs an der Massentierhaltung und Fleischproduktion.

Allerdings ist es auch nicht nötig, den kompletten Fleischkonsum durch Fleisch aus dem Labor abzudecken. Es wäre auch denkbar, eine Mischung aus beiden Fleischformen anzubieten.

Außerdem wird es langfristig wahrscheinlich nötig sein, das Denken in der Gesellschaft zu ändern. Es ist absolut nicht nötig, dass jeder auf den Fleischkonsum verzichtet. Aber ein wenig mehr Fokus auf Nachhaltigkeit und damit einhergehend ein bewussterer Fleischkonsum würde uns nicht schaden.

via Futurism

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