Auch wenn die Frauen besonders in beruflicher Hinsicht noch nicht absolut gleichberechtigt sind, gibt es doch seit einigen Jahren einen deutlichen Wandel. Während Frauen ambitioniert und entschieden Präsenz zeigen, schwächeln die Männer und wirken unentschlossen. Der moderne Mann, ehemals für seine Power und Entschiedenheit bekannt, der sogenannte Macher, kommt mit schwacher Körperspannung und reduzierter Gestik daher. Und wird unsichtbar. Eine Beobachtung, die auch Auskunft darüber gibt, wie sich das Gender-Thema zukünftig zeigen könnte. Während die jüngeren Herrn gleich mit einer indifferenten Haltung auf dem Parkett erscheinen, scheinen die Herren mittleren Alters verunsichert und irritiert. Welche Weichenstellung findet langfristig für die Zukunft statt?


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Bild: dpa

Die männlichen Charakteristika – der Vergangenheit?

Ein Blick zurück in die Geschichte der Völker und Nationen, lassen wir mal die Amazonen beiseite, bestätigt die Vorherrschaft des männlichen Geschlechts. Sie haben gekämpft, gesiegt, verloren, geraubt und gemanagt. Und darüber haben sie sich definiert. Die Macher, die Entscheider, die Erfinder. Es waren bis auf wenige Ausnahmen die Männer. Sie hatten eine innere Haltung, die sich in der äußeren Haltung widerspiegelt: entschieden, durchsetzungsstark und handlungsbereit. Sie wirkten bedeutsam im Außen – auf der Bühne der Welt. Und dort bekamen sie Ansehen und gesellschaftspolitisch den Ruf bzw. die Attribute, wovon sie heute noch zehren. So bedient sich Mann bis heute im Volksmund des Ausdrucks „das starke Geschlecht“. Ist diese Rolle noch aktuell?

In ihrer Rolle als Mann und Macher wurden Männer unterstützt von anderen Männern. In diesem Gesamtzusammenhang war es ein Leichtes, ihr Aktionsfeld, ihre Position und Rolle aufrecht zu erhalten. Sie hatten lange Zeit den Bildungsvorteil – erst um 1960 entstanden im Zuge der neuen Frauenbewegung Frauenbildungswerke. Wenige Jahre später dann anerkannte Träger der Erwachsenenbildung. Erst seit 1970 lässt sich eine erste deutliche Steigerung der Frauenerwerbstätigkeitsquote verzeichnen.


Der Mann als Entscheider ist passé

Heute senden Männer unklare und inkongruente Signale. Eine verhaltene und festgehaltene Gestik, die weder lebendig noch kraftvoll wirkt. Die Hände werden versteckt, verschränkt, in Hosentaschen weggepackt, hinter dem Rücken gehalten. Die Körperhaltung ist häufig unterspannt, das Brustbein eingezogen, der Kopf geneigt. Auch stimmlich „sieht“ es nicht viel kraftvoller aus. Zu leise, zu dünn und brüchig kommt die männliche Stimme rüber und wird oft überhört. Der resonante, raumfüllende männliche Ton, der einstmals durch die Wälder brüllte, er ist verpufft. Auch Füllwörter und Weichmacher nehmen oftmals überhand. Als ob sich Mann mit seinem Text entschuldigt. Statt kraftvolle Pausen sind ähms, vielleicht, sowie stimmlich nach oben gezogene Satzmelodien zu vernehmen, als wäre jede Aussage eine Frage.

Auf der Bühne steht er meist nur noch, wenn er muss. Die Freude und das Selbstverständnis des Machers ist ihm irgendwie abhanden gekommen. Für Frau sieht es genau andersherum aus. War ihre Bühne in der Vergangenheit die heimische, sprich die Familie, drängt sie entschlossen zu einem „mehr“ nach vorne, die Karriereleiter hoch… hinauf zur Chefetage. Und hierfür besitzt sie alle Ressourcen, die sie braucht. Was jetzt noch maximal fehlt ist die Übung und die damit einhergehende Souveränität, denn das öffentliche Auftreten war in der Vergangenheit nicht ihr täglich Brot. Aber Frau hat für sich entschieden, dass es das heutige bzw. das zukünftige wird. Das Rüstzeug hierzu hat sie: Power, Intelligenz, emotionale Intelligenz, ein Mehrwert an Intuition und Feingefühl sowie an Empathie. Sie ist ein kommunikativer Spezialist, kann bestens organisieren, ist häufig reflektierter und selbstkritischer als der Mann. Sie ist herzlich, weich und gütig. Sie weiß, dass die Beziehungsebene manchmal entscheidender als die Sachebene ist. Ihr Motto heißt nicht Kampf, sondern Harmonie und Liebe. Mit diesen Werten ist sie stärker und auf lange Sicht erfolgreicher als der Mann.

Das neue starke Geschlecht

Nun sind sie bunt zusammengewürfelt auf dem Spielfeld der Jetztzeit…das einstmals starke Geschlecht und das neue starke Geschlecht. Die Frau, die meines Erachtens schon immer ein starkes Geschlecht war – die längste Zeit unterdrückt und wenig beachtet – schreitet in ihrer Kraft auf die Bühne der Öffentlichkeit. Gesellschaftlich wie beruflich. Business und Familie nun hat sie gleich die doppelte Portion an Aktionsfeld und Verantwortung. Doch was verändert sich, wenn Männer nicht mehr unter sich sind? Ihr Gegenüber ist zu ca. 30 Prozent jetzt die Frau. Und der Prozentsatz steigt. Fordert der berufliche Umgang mit der Frau neue Skills? Rührt hieraus die Verwirrung, die Unsicherheit? Mann muss sich erst mal selbst zu Recht finden auf dem neuen Parkett. Sich neu orientieren und fragen: Was will ich heute, hier und jetzt? Welche Werte sind mir wichtig? Die neue Männlichkeit will gefüllt sein mit der alten und immerwährenden Kraft, die aus der Mitte kommt. Der Mann als Stratege und Denker gilt es nun „mehr“ zu sein als das. Er selbst wird es finden müssen, sein neues Selbstbild…

Sobald dies geschieht, kann er es füllen mit Freude Kraft und Mission. Wichtig ist, dass er es selbst definiert, dass er seine Werte kennt und lebt, dass die Public Persona des Mannes nicht nur ein Ergebnis ist, wie Frau ihn sieht, oder was gesellschaftlich definiert für ihn übrig bleibt, sondern welche Rollen er selber füllen will. Er wird nun mehr reflektieren müssen, stärker in sich hinein fühlen, womöglich sich auch in seiner emotionalen Intelligenz üben müssen. In dem er innehält, sich Zeit für sich selbst nimmt um in sich zu hören, wird ihm die bestimmt gelingen. Auch der kommunikative Austausch mit anderen Männern und auch Frauen wird ihm helfen. Auch ein guter Coach ist mit Sicherheit eine sinnvolle Begleitung.

Über die Autorin

Karin Seven ist Trainerin und Coach für den starken Auftritt: Ausdrucksstarke Körpersprache und Stimme in allen öffentlichen Sprechsituationen: Sie ist Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Karin SevenSelbstmarketing. Buchautorin des im Haufe Verlag 2015 erschienen Buches PowerAct-Ihr starker Auftritt. Sie arbeitet als Dozentin, Schauspielerin, Sprecherin, Vortragsrednerin und Regisseurin. Ihre Expertise umschließt die kreativ- künstlerische Arbeit und spannt den Bogen zu den Anforderungen in der Businesswelt.

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