Aus verschlissenen Textilien lassen sich kaum Produkte herstellen. Zerrupft können sie in Werkstätten Öl aufsaugen. Eine sonderliche Wertschöpfung verbirgt sich dahinter nicht. Österreichische Forscher wollten dagegen Handtücher und andere Textilien so aufbereiten, dass aus den gewonnenen Rohstoffen hochwertige Neuware hergestellt werden kann, und das mit Blick auf 2025. Eine neue EU-Richtlinie schreibt vor, dass von diesem Zeitpunkt an Alttextilien getrennt gesammelt werden müssen, um sie zu recyceln. Pro Jahr geht es europaweit um stolze fünf Millionen Tonnen.


Bild: Klaus Haiden / Andritz

Enzyme verwandeln Baumwolle in Zucker

Forscher der Technischen Universität Wien, der Wien und der Montanuni Leoben haben schon jetzt ein Verfahren für Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle entwickelt, mit dem sich der Kunststoff sortenrein zurückgewinnen lässt. Wissenschaftler der Universität für Bodenkultur haben einen Enzym-Mix entwickelt, der die im Gewebe enthaltene Baumwolle in Zucker verwandelt. „Dieser Schritt ist entscheidend, man braucht dafür ganz spezifische Enzyme“, sagt Andreas Bartl vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der TU Wien.

Aus Polyester wird neues Garn

Nach einer Weile befindet sich in dem Fermenter Zuckerwasser, in dem Polyesterfäden schwimmen. Diese werden herausgefischt, getrocknet und zu Granulat eingeschmolzen. Daraus werden in einer Spinnmaschine neue Kunststoffgarne. Sie können auch mit neuen Baumwollfasern angereichert werde, sodass daraus genau das gleiche Handtuch gewebt werden kann, das den Rohstoff lieferte.


Aus Zucker werden hochwertige Getränkeflaschen

Für den Zucker haben die Österreicher noch keine Verwendung. Der Forschungsaufwand wäre zu hoch. Doch es gibt ein internationales Konsortium namens „PEFerence“, dem zwölf europäische Unternehmen angehören, darunter Lego und der Düsseldorfer Chemiekonzern Henkel. Unter Führung des Amsterdamer Biotechnik-Spezialisten Avantium soll eine Fabrik entstehen, in der Zucker über das Zwischenprodukt Furandicarbonsäure (FDCA) in den Kunststoff Polyethylenfuranoat (PEF) umgewandelt werden. Daraus lassen sich Flaschen für kohlensäurehaltige Getränke herstellen. Sie sind anderen Kunststoffbehältern überlegen, weil sie gasdicht sind. Kohlensäure kann nicht entweichen, Sauerstoff nicht eindringen und den Geschmack verändern.

Das Syntheseverfahren hat Avantium entwickelt. Die Niederländer wollen für 150 Millionen Euro eine Produktionsstätte bauen. Ende 2020 soll die Finanzierung gesichert sein.

via TU Wien

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.