Im Jahr 2017 tranken die Deutschen pro Kopf 101,2 Liter Bier. Man kann also getrost sagen, dass der Gerstensaft hierzulande recht beliebt ist. Die Ursprünge des Biers gehen aber in ganz andere Gegenden zurück. In China wurden schon vor 5000 Jahren Getränke aus fermentiertem Getreide produziert. Forscher rund um Li Liu von der Stanford University fanden nun andernorts aber Zeugnisse des Bierbrauens, die 13.000 Jahre zurück gehen.


Braumeister gab es schon vor 13.000 Jahren

Die Entdeckung wurde im Rahmen von Ausgrabungen in der Rakefet-Höhle im Karmel-Gebirge in Israel gemacht. Vor etwa 13.000 Jahren lebten dort Menschen der Natufien-Kultur, die als Vorstufe zu den ersten Bauern gilt.


Die Natufien-Relikte in der Rakefet-Höhle hören nicht auf, uns zu überraschen. Wir haben dort nun 30 Gräber freigelegt mit einer Fülle von Grabbeigaben wie Feuersteinwerkzeugen, Tierknochen und Mahlsteinen, aber auch rund 100 Steinmörsern und Schalen„, so Dani Nadekl von der Universität Haifa.

Drei der Steinmörser untersuchten die Forscher auf Pflanzenrückstände. Dabei fanden sie heraus, dass die Mörser nicht nur genutzt wurden, um Getreide und Gemüse zu zerkleinern, sondern dass in den Behältern auch Bier gebraut wurde. Es handelt sich bei dieser Entdeckung nicht nur um das früheste archäologische Zeugnis für Bierbrauen auf Getreidebasis, sondern auch den ältesten Beweis für von Menschen hergestellten Alkohol. Die Wissenschaftler konnten den Fund auf einen Zeitraum von vor 13.000 bis 11.700 Jahren datieren – möglicherweise gab es also bereits Bier, bevor die Menschen anfingen, Brot zu backen.

Die Forscher gehen davon aus, dass in der Kultur der Natufien das Bier für rituelle Feste wie etwa Totenrituale gebraut wurde. „ Diese Entdeckung spricht dafür, dass die Herstellung von Alkohol kein bloßer Nebeneffekt eines landwirtschaftlichen Überflusses an Getreide war. Stattdessen wurde das Bierbrauen wahrscheinlich aus rituellen Zwecken entwickelt – und dies zumindest in gewissem Maße noch vor der Erfindung der Landwirtschaft„, so Liu.

Eher Brei als Bier

Durch eine Analyse der Stärkekörnchen in den Pflanzenresten konnten die Forscher herausfinden, wie das Bier gebraut wurde. Als erstes ließen die Brauer das Getreide in Wasser keimen und trockneten es dann wieder, wodurch Malz entstand. Dieses wurde dann in Mörsern zerkleinert und erhitzt, um schließlich in Gefäßen zu fermentieren. Dieser dreistufige Brau-Prozess führte zu einem alkoholartigen Sud, der vom Prinzip her dem heutigen Bier glich. Aber wirklich nur vom Prinzip. Die Natufien verwendeten für ihr Getränk nicht nur Getreide, sondern auch andere Zusätze von diversen Pflanzenarten. Das Resultat ähnelte von der Konsistenz her eher einem dünnen Brei als dem flüssigen Bier, das wir heute kennen.

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