Vor rund zwanzig Jahren beschloss die damalige Bundesregierung von SPD und Grünen die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes – kurz: EEG. Darin wurden massive Fördergelder und ein Einspeisevorrang für Solarstrom festgeschrieben. Die Folge: Ein deutschlandweiter Boom, bei dem sich auch viele Privatleute eine entsprechende Anlage auf ihr Hausdach setzen ließen. Inzwischen haben die damals verbauten Module allerdings so langsam das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Die internationale Agentur für Erneuerbare Energien schätzt, dass bis zum Jahr 2025 insgesamt 100.000 Tonnen an aussortierten Solaranlagen zusammenkommen werden. Daher stellt sich die Frage: Was passiert nun mit dem Elektroschrott? Bisher landen die Module zumeist in der Müllverbrennungsanlage, was aus Sicht des Umweltschutzes aber alles andere als ideal ist.


Ein neuartiger Backofen lässt die Kunststoffe verschwinden

Grundsätzlich würde sich das Recycling der Anlagen auch durchaus lohnen. Denn in ihnen sind wertvolle Rohstoffe wie Silizium, Blei, Zinn und Zink enthalten. Das Problem allerdings: Diese sind fest mit dünnen Kunststofffolien verschmolzen. Dadurch wird das Recycling erheblich erschwert und lohnt sich bisher nicht. Forscher des Fraunhofer-Institut haben daher nun ein neues Verfahren entwickelt, um die einzelnen Rohstoffe von ihrer Umgebung zu separieren. Der dafür gebaute Reaktor funktioniert wie eine Art Backofen, in den die einzelnen Schichten der Solarmodule geschoben werden. Im Inneren existiert kein Sauerstoff, dafür aber ein hoher Druck. Zusätzlich werden die Schichten erwärmt, bis sich die Kunststoffe langsam auflösen und zu Gasen werden. Übrig bleiben dann die gewünschten reinen Rohstoffe, die von der Industrie stark nachgefragt werden.


Die Reparatur lohnt sich in der Regel nicht

Eine erste Pilotanlage in Deutschland hat bereits unter Beweis gestellt, dass der Ansatz tatsächlich funktioniert. Noch in diesem Jahr soll daher mit dem Bau einer Großanlage begonnen werden, die zunächst jährlich bis zu 200.000 Tonnen Solarschrott verarbeiten könnte. Eine andere Alternative erwies sich hingegen als unwirtschaftlich: Wissenschaftler der Technischen Hochschule Mittelhessen haben untersucht, ob es sich lohnt, die alten Module noch einmal zu reparieren. Aus rein technischer Sicht ist dies vergleichsweise einfach möglich. Allerdings ist dafür viel Handarbeit nötig – was die Kosten in die Höhe treibt. Außerdem müssten die neue verbauten Zellen dann auch noch einmal eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen, wodurch der Prozess weiter verkompliziert wird. In der Regel ist es daher günstiger, direkt neue Module aus Asien zu bestellen.

Via: Spiegel

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