An der Leipziger Strombörse wird der kurzfristige Stromgroßhandel abgewickelt. Schwankungen beim Preis sind dort ganz normal und funktionieren im Grunde wie auf jedem Marktplatz: Steigt die Nachfrage, erhöht sich der Preis. Bei zu viel Angebot wiederum sinkt er. Allerdings gibt es eine Besonderheit. Denn es muss immer ein Abnehmer gefunden werden. Dies führt zu der paradoxen Situation, dass teilweise negative Preise entstehen. Unternehmen zahlen dann also kein Geld für den erhaltenen Strom, sondern bekommen sogar noch eine Entlohnung. Im Jahr 2019 war dies an insgesamt 211 Stunden der Fall – und damit so häufig wie nie zuvor. Besonders angespannt war die Situation am 8. Juni zwischen 14 und 15 Uhr. Damals erhielt man 90,01 Euro, wenn man bereit war eine Megawattstunde Strom abzunehmen.


By Michael Kauffmann (Own work) [CC BY 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Sonnenreiche Tage mit viel Wind bringen Probleme mit sich

Auch dies ist den Daten der Bundesnetzagentur zufolge ein neuer Rekordwert. Wie aber kann es zu solch kuriosen Situationen kommen? Dahinter steckt das komplexe Zusammenspiel zwischen Erneuerbaren Energieträgern wie Sonne und Wind sowie konventionellen Kraftwerken. An sonnenreichen Tagen mit viel Wind kann es passieren, dass deutlich mehr grüner Strom in die Leitungen eingespeist wird als sonst. Weil dieser einen sogenannten Einspeisevorrang besitzt, müssten dafür eigentlich konventionelle Kraftwerke heruntergefahren werden. Dies ist aber nicht immer möglich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Teilweise müssen die Betreiber Lieferverpflichtungen erfüllen, teilweise lassen sich die Anlagen aber auch schlicht nicht so schnell herunterfahren. Außerdem kann die Zahl der laufenden Großkraftwerke auch nicht beliebig reduziert werden.

Der Ausbau der Stromleitungen ist dringend nötig

Denn aktuell sind nur diese in der Lage, die Frequenz im Stromnetz konstant bei 50 Hertz zu halten. Ein möglicher Ausweg wäre es, in solchen Situationen einen Teil des Stroms ins Ausland zu exportieren. Dies ist aber nur eingeschränkt möglich, weil schlicht die Leitungskapazitäten fehlen. Ähnliches gilt auch für den innerdeutschen Stromtransport zwischen den einzelnen Bundesländern. Experten sind daher nicht überrascht von der Tatsache, dass im Jahr 2019 sowohl bei der Anzahl der Stunden als auch bei der Höhe der negativen Preise jeweils ein Rekordwert erreicht wurde. Wie viel dies die deutschen Stromkunden exakt gekostet hat, lässt sich allerdings nicht berechnen. Denn es wurde nicht dokumentiert, wie viel Strom in den betroffenen Stunden gehandelt wurde. Für den Erfolg der Energiewende ist es allerdings elementar, dass solche Situationen die Ausnahme bleiben.


Via: Handelsblatt

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