Das Heidelberger Schloss, 1689 und 1693 von französischen Truppen teilweise zerstört, erstrahlt jetzt wieder in alter Pracht. Nicht dass die Besucher, jährlich sind es 1,1 Millionen aus aller Welt, es sehen könnten. Das herrliche Bauwerk und die umliegenden Parkanlagen existieren nur in Form von drei Gigabyte an Daten. Julian Hanschke vom Institut für Kunst- und Baugeschichte am Karlsruher Institut für Technologie hat fünf Jahre lang daran gearbeitet, das berühmte Bauwerk wiedererstehen zu lassen.


Erste Datensammlung begann vor 100 Jahren

Es hat sich gelohnt. Anhand historischer Pläne, Ansichten und Zeichnungen hat er am Computer jedes Detail nachmodelliert. Seine Rekonstruktion sei keine Fantasiewelt, sondern ein wissenschaftlich akkurater Nachbau, der bis in die kleinste Einzelheit auf historischen Quellen fuße, betont Hanschke. Die sind in Hülle und Fülle existent. Vor rund 100 Jahren gab es Bestrebungen, das Schloss real wieder aufzubauen, das eine Fläche von 270 mal 280 Meter beansprucht. Als Vorbereitung wurden die Überreste und die Teile, die rekonstruiert worden waren, akribisch vermessen. Dazu kamen hunderte Pläne von Details.


Das Wissen der alten Baumeister

„Die Rekonstruktionen sind außerordentlich eindrucksvoll und lassen auch für Laien sichtbar werden, was das Heidelberger Schloss zu seiner Glanzzeit war – ein unschätzbarer Vorteil,“ sagt Thomas Lang von den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, die das Baudenkmal verwalten. Für die historisch und räumlich stimmige Nachbildung von Gewölben wie etwa dem verschwundenen Theatersaal im Dicken Turm oder dem Dekor auf Friesen, Fensterstürzen und Säulenkapitellen sei ein tiefes Verständnis für die zugrundeliegenden Konstruktionen nötig, so Hanschke. Wissen der alten Baumeister, über das die Architekten der Gegenwart meist nicht mehr verfügten. „Seit dem Bauhaus gibt es ja kein Ornament mehr“, konstatiert der Bauhistoriker.

Videorundgang durch das Heidelberger Schloss

Hanschke ergänzt seine Arbeit mit einer rund 500 Seiten starken Publikation, mit der er sich gleichzeitig habilitiert hat. Sie enthält eine Fülle von realen Fotos und Bildern aus der Simulation sowie eine wissenschaftlich fundierte Geschichte des Schlosses. „Es ist die erste, ausschließlich an den historischen Quellen orientierte Darstellung der Geschichte des Heidelberger Schlosses“, so Hanschke.

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