Der Einsatz galt eigentlich als voller Erfolg: Im Jahr 2016 gelang den Justizbehörden ein Schlag gegen den im Darknet operierenden Drogenmarktplatz Chemical Love. Inzwischen wurde der Hauptverdächtige rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Außerdem soll er eine Geldbuße in Höhe von 1,5 Millionen Euro zahlen. Dies hat er bisher aber nicht getan, weshalb die Polizei den wichtigsten Teil seines Vermögen beschlagnahmte: Eine Crypto-Wallet mit 757 Bitcoins. Der aktuelle Marktwert liegt bei mehr als 33 Millionen Dollar. Die Gesetzeslage ist eigentlich klar: Die Behörden dürfen auf die Vermögenswerte zugreifen, um die Schuld zu begleichen. Allerdings ist die digitale Geldbörse durch ein Passwort geschützt. Und bisher ist es den Beamten nicht gelungen, den Besitzer von der Herausgabe des Passworts zu überzeugen. Auch mehrere Versuche, die Verschlüsselung zu knacken, schlugen fehl.


Bild: Bitcoin, Zach Copley, Flickr, CC BY-SA 2.0

Mittlerweile befinden sich nur noch vier Bitcoin in der Wallet

Inzwischen ist es dafür allerdings wohl ohnehin zu spät. Denn wie die Justizbehörden nun einräumten, wurden bereits im März 2017 erstmals 264 Bitcoin aus der Wallet entwendet. Zweieinhalb Jahre später wurden dann 489 weitere Einheiten der digitalen Währung transferiert. Den Behörden verbleiben damit aktuell lediglich noch vier Bitcoins mit einem aktuellen Marktwert von 180.000 Euro. Da die Transaktionen innerhalb der Blockchain weitgehend anonym ablaufen, konnte bisher noch nicht geklärt werden, wer hinter den Transaktionen steckt. Die Polizei äußert bisher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht einmal einen Verdacht. Medien spekulieren daher bereits über einen besonderen Coup: Demnach könnte es dem einsitzenden Drogenhändler gelungen sein, den Originalschlüssel aus dem Gefängnis heraus einer Vertrauensperson außerhalb zukommen zu lassen. Diese wiederum könnte das Geld dann transferiert und die Zahlungsströme verschleiert haben.

Cryptowährungen werden oftmals für illegale Transaktionen genutzt

Theoretisch könnte der ursprüngliche Besitzer der Bitcoins dann den Staat sogar auf Schadensersatz verklagen. Noch allerdings handelt es sich hier um reine Spekulation. Bisher ist schlicht nicht geklärt, wer hinter dem ungewöhnlichen Crypto-Raub steckt. Die Geschichte verdeutlicht aber, weshalb Aufsichts- und Justizbehörden eine strengere Kontrolle im Bereich der Cryptowährungen fordern. Denn aufgrund von Anonymität und Verschlüsselungen werden die digitalen Währungen gerne für illegale Transaktionen genutzt. Die Überwachung – und selbst die Beschlagnahmung des Vermögens – erweisen sich für die Behörden aktuell als extrem kompliziert. Grundsätzlich gelingt es aber zumindest dem Bitcoin aktuell auch seriöse Wirtschaftszweige zu erschließen. So hat unter anderem der Elektrobauer Tesla massiv in die Cryptowährung investiert – und damit bereits einen Millionengewinn eingefahren. Noch wichtiger aber: Der Autobauer kündigte an, zukünftig auch Bitcoin-Zahlungen akzeptieren zu wollen.


Via: Heise

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