Sie reicht von der chinesischen Finanzmetropole Hongkong bis zum bekannten Spielerparadies Macao. Die nun offiziell für den Verkehr freigegebene längste Brücke der Welt verbindet somit auch zwei ehemalige europäische Kolonien: Hongkong war lange Zeit britisch, während Macao von Portugal beansprucht wurde. Diese historische Sonderrolle ist insbesondere in Hongkong noch heute zu bemerken. Die Stadt ist zwar inzwischen Teil des chinesischen Territoriums, sie wird aber autonom geführt. So gilt in der Metropole beispielsweise die Presse- und Meinungsfreiheit. Diese in China absolut nicht selbstverständlichen Rechte sehen Kritiker durch den Bau der Brücke nun in Gefahr. Denn sie wurde natürlich nicht gebaut, damit die Einwohner Hongkongs schneller in die Casinos gelangen: Bisher dauert die Fahrt mit der Fähre rund eine Stunde, mit dem Bus über die Brücke dauert es 45 Minuten.


Flagge China
Foto: Alexander Trisko

Ein bekanntes Phänomen: Die Baukosten sind explodiert

Stattdessen soll die Metropole enger mit der Sonderwirtschaftszone Zhuhai sowie den boomenden Städte Shenzhen und Guangzhou verbunden werden. Aus diesem Grund wurde vor kurzem auch eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke für den Zugverkehr eröffnet. Man könnte auch sagen: Die chinesische Zentralregierung möchte durch die Infrastrukturprojekte ihren Einfluss in Hongkong weiter erhöhen – was viele Einwohner der Stadt eher kritisch sehen. Im Fall der Brücke gibt es aber auch noch weitere ganz konkrete Kritikpunkte: So dauerte der Bau deutlich länger als geplant und wurde auch noch viel teurer als angenommen. Kritiker verweisen daher darauf, dass Hongkong das Geld in deutlich sinnvollere Projekte hätte investieren können. Zumal Privatautos die Brücke ohnehin nur mit einer Sondergenehmigung nutzen dürfen. Im Normalfall müssen spezielle Busse für den Personentransport genutzt werden.

In China durfte über die Probleme nicht berichtet werden

Alleine auf der Hongkonger Seite sind während der Bauarbeiten zudem zehn Menschen ums Leben gekommen. Dies ist bekannt, weil die Zeitungen dort darüber berichten konnten. Wie viele Arbeiter auf der chinesischen Seite ihr Leben ließen, kann hingegen nur geschätzt werden. Umweltschützer bemängeln zudem, dass das Riesenbauwerk einen gewaltigen Eingriff in die Natur darstellt. Wie problematisch dies werden kann, zeigt das Beispiel des Weißen Delfins. Dieser gilt als Symbol Hongkongs und war früher in den Gewässern rund um die Stadt oft zu finden. Durch den Bau der Brücke ist die Zahl der Tiere aber um rund 40 Prozent gesunken, sodass es inzwischen nur noch einige Dutzend Exemplare gibt. Auch darüber sind viele Menschen in Hongkong alles andere als glücklich.


Via: CNN

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