Um Bundeskanzlerin Angela Merkel sammelt sich ein ganzer Stab von Digitalberatern. Umso verwunderlicher ist, dass bei einem wichtigen Thema in Kürze eine Entscheidung getroffen wird, die Deutschland als Digitalstandort weiter schwächen wird. Die Rede ist von der nächsten Generation von Mobilfunknetzen, dem 5G-Standard. Genauer gesagt geht es um die Vergabe der Frequenzen im 5G-Netz.


Die digitale Kluft vergrößert sich

Die Bedeutung der 5G-Technologie kann kaum kleingeredet werden. Das superschnelle Datennetz wird für eine Vielzahl Zukunftstechnologien benötigt. Autonom fahrende Autos werden sich in Zukunft über das 5G-Netz miteinander vernetzen, aber auch im Logistikbereich oder in der Telemedizin verspricht 5G bahnbrechende Fortschritte. Beim Thema 5G geht es also um mehr als bloß darum, wie schnell eine Webseite auf dem Handy lädt. 5G legt den Grundstein für Technologien, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.


In Sachen Digitalausbau ist die Bundesregierung bekanntlich nicht gerade für gut umgesetzte Projekte bekannt – man betrachte nur einmal den Breitbandausbau. Und auch in Sachen 5G steht Deutschland kurz davor, einen großen Fehler zu machen. Denn demnächst soll das Verfahren festgelegt werden, das die Versteigerung der 5G-Frequenzen regelt. Geplant ist, die neuen Frequenzen für die nächsten 20 Jahre an die großen Anbieter zu vergeben – namentlich an die Telekom, Vodafone und Telefónica. Die Telekom hat ihre Bedingungen für 5G bereits benannt: Mehr als 90 Prozent des Landes (und das ist schon das beste Szenario) könne das Unternehmen nicht mit 5G versorgen. Das Problem sei, dass der Ausbau in bevölkerungsschwachen Regionen nicht wirtschaftlich sei.

Das Ergebnis wäre also, dass die digitale Kluft zwischen Stadt und Land weiter vergrößert werden würde. Außerdem lehrt die Erfahrung mit LTE, dass die Preise für das superschnelle Datennetz es gerade am Anfang in sich haben werden.

5G: Deutschland macht einen Fehler

Die betreffende Problematik zeigt sich bereits heute mit den 4G-Netzen (LTE): Neben der Preisfrage (bei unseren europäischen Nachbarn sind 4G-Flatrates in der Regel nicht nur günstiger, sondern kommen mit mehr Datenvolumen) lässt auch der Ausbau zu wünschen übrig. Wer viel mit der Bahn unterwegs ist, der weiß das. Was das 5G-Netz angeht, wäre die Problematik noch größer als heute. Denn ohne einen flächendeckenden Ausbau wäre es etwa schwer, deutschlandweit in Zukunft autonome Fahrzeuge einzusetzen. Und auch andere Technologien würden ausgebremst werden. Große Unternehmen sitzen oft im ländlichen Raum und würden Gefahr laufen, keinen Zugang zum 5G-Netz zu erhalten. Die Vision von in Echtzeit aktualisierten Logistik- oder Warendistributions-Systemen könnte sich so nicht erfüllen.

Dabei gäbe es durchaus Alternativen dazu, die Frequenzen an die drei größten Mobilfunkanbieter zu vergeben. So könnte das Netz beispielsweise geöffnet werden, sodass auch kleinere Gemeinden oder Privatunternehmen 5G-Stationen aufbauen und betreiben könnten. Das Ergebnis wäre wahrscheinlich eine deutlich bessere Netzabdeckung. Der entstehende Preisdruck würde den Verbrauchern ebenso zugute kommen. Bereits heute zahlen Deutsche Schätzungen zufolge pro Jahr 30 Milliarden Euro zu viel für Kommunikation – der Autor kann mit seinem T-Mobile-Vertrag ein Lied davon singen.

Dass die Telekom nicht unbedingt interessiert an einem offenen Netzstandard ist, ist wenig verwunderlich. Und da der Staat immer noch Miteigentümer der Telekom ist, kann man der Bundesregierung zumindest eine gewisse Befangenheit attestieren.

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