Ein wichtiges Entscheidungskriterium zählt, wenn es darum geht, ob bestimmte elektromagnetische Strahlungen zugelassen werden oder nicht: Erhöht sich durch die direkte Einwirkung die Körpertemperatur um weniger als 1 Grad oder steigt sie höher an? So hat es die »Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung« (ICNIRP) vor mehr als 20 Jahren festgelegt. Die Organisation hat einen privaten Hintergrund.


Von ITomsEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Ernsthafte Forscher widersprechen der ICNIRP

An die Grenzwertempfehlungen des ICNIRP hält sich nicht nur ein überwiegender Teil der EU, sondern auch Japan, weitere asiatische Länder und Australien. Strahlenbiologie und Organisationsleiter Eric van Rongen vertritt weiterhin die Meinung, dass der thermische Effekt als einzige biologische Konseqeunez wissenschaftlich belastbar ist. Doch nicht nur Verschwörungstheoretiker, sondern auch ernsthafte Forscher widersprechen ihm. Dazu gehört zum Beispiel der Gesundheitsprofessor David Carpenter, der sich jüngst in der medizinischen Fachzeitschrift »The Lancet« wie folgt äußerte: „Es ist jetzt bewiesen, dass die Vermeidung von Gewebe-Erwärmung nicht dazu geeignet ist, biochemische und physiologische Störungen zu verhindern.“

Wirkliche gesundheitliche Auswirkungen unbewiesen?

Carpenter führt die Ergebnisse von mehr als 2.200 Studien an, die zum weitaus überwiegenden Teil zu dem Fazit gelangen, dass sich gewisse biologische und damit auch gesundheitlich relevante Effekte unterhalb einer 1-Grad-Erwärmung ergeben. Er führt nicht nur drohende Hautschädigungen, sondern auch Verhaltensänderungen, Gewichtsverluste und sogar eine verringerte Lebenserwartung als Folgen bislang erlaubter elektromagnetischer Strahlung an. Auch konkrete molekulare Gewebeveränderungen seien zu beobachten. Gewisse biologische Auswirkungen, so bestätigt van Rongen, seien tatsächlich vorhanden, aber nicht besonders relevant. „Es wurde noch nie nachgewiesen, dass diese Effekte wirklich gesundheitliche Auswirkungen haben.“


Hirntumore bei häufiger Handynutzung? Beweise und Widersprüche

David Carpenter pocht darauf, Beweise dafür zu haben, dass eine häufige Nutzung von Mobiltelefonen für eine Zunahme von Hirnkrebs verantwortlich ist. Der Krebs entstehe keinesfalls zufällig auf der Seite, die zum Telefonieren genutzt werde. Die INTERPHONE-Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz merkt an: „Bei den intensiven Handynutzern zeigten sich die Gliome eher in den Hirnregionen, die sich nahe am Ohr befinden und auf der Seite des Kopfes, die als bevorzugte Seite zum Telefonieren angegeben wurde.“ Doch das Amt stellt seine eigene Studie infrage, weil die Antworten ihrer Probanden zur Handynutzung »nicht nachvollziehbar« gewesen seien.

Große Unsicherheit bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen

In anderen Untersuchungen entstanden bei Ratten, die erhöhter elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt waren, Tumore in verschiedenen Organen. Die angewandte Energie fiel höher aus, als wir es derzeit von unserem Mobilfunk kennen, aber eine Körpererwärmung von über einem Grad hat es nicht gegeben. All diese verschiedenen wissenschaftlichen Meinungen und Forschungsergebnisse zeigen eines: Es besteht eine große Unsicherheit bezüglich der biologischen Auswirkungen von elektromagnetischer Strahlung. Sollten wir vielleicht zuerst sorgsam die Fakten klären, bevor wir den weiteren Ausbau vorantreiben und mit 5G sogar noch einen Gang höher schalten?

Quelle: deutschlandfunkkultur.de

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