Die chinesische Regierung hat große Pläne für den Weltraum. So soll die Rückseite des Mondes erforscht werden, eine eigene Raumstation entstehen und auch der Mars wird in den Blick genommen. Neben den staatlichen Initiativen haben sich zudem auch eine ganze Reihe von privaten Unternehmen etabliert. Das „Chengdu Aerospace Science and Technology Microelectronics System Research Institute“ macht nun mit einem besonders verwegenen Projekt Schlagzeilen: Schon in zwei Jahren soll über der Millionenstadt Chengdu nachts ein künstlicher Mond leuchten. Genau genommen wird es sich um einen Satelliten handeln, der über der Stadt kreist und mithilfe von Reflektoren auch nachts Sonnenlicht auf die Erde leitet. Der auf diese Weise geschaffene künstliche Mond soll rund achtmal so hell leuchten wie das Original.


Mond
Die künstliche Version soll rund achtmal so hell leuchten. Foto: Dino Abatzidis, via Flickr. CC BY-NC-SA 2.0

Der künstliche Mond soll Stromkosten einsparen

Der Sinn des Projekts wird von den Initiatoren konkret benannt: Durch das aus dem Weltall kommende Licht wird die Straßenbeleuchtung überflüssig. Ersten Berechnungen zufolge kann die Stadtverwaltung so jährlich rund 170 Millionen Dollar an Stromkosten sparen. Allerdings ist bisher noch gar nicht klar, ob die Verwaltung der Millionenstadt sich überhaupt an dem Projekt beteiligen möchte. Eine offizielle Genehmigung steht jedenfalls noch aus. Zumal es aus technischer Sicht nicht möglich ist, den Satelliten auf der geplanten Umlaufbahn dauerhaft über der Stadt kreisen zu lassen. Deswegen handelt es sich bei dem ersten künstlichen Mond auch nur um ein Testobjekt. Erweist sich der Ansatz als umsetzbar, sollen dann zwei weitere Satelliten folgen, um jede Nacht für Licht aus dem Weltall sorgen zu können.

Russland experimentierte schon von Jahrzehnten mit Spiegeln im Weltall

Die Ingenieure versichern zudem, dass sie die volle Kontrolle über den Lichteinfall haben. Sie können also die Helligkeit jederzeit verringern oder erhöhen – und den künstlichen Mond auch komplett ausknipsen. Mit diesem Argument sollen auch Tier- und Umweltschützer beruhigt werden, die befürchten, dass das ungewohnte Licht komplette Ökosysteme durcheinander bringen könnte. Den Angaben der Entwickler zufolge, soll die Helligkeit dafür aber nicht stark genug sein. Auch wenn das Projekt etwas ungewöhnlich klingt, ist es keineswegs ohne Vorläufer in der Geschichte. So experimentierte Russland bereits zu Beginn der 1990er Jahre mit faltbaren Spiegeln im Weltraum, die einen Lichtkegel auf die Erde schickten. Technische Probleme führten aber letztlich zum vorzeitigen Ende der Experimente.


Via: Inhabitat

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