Den Anfang machte Südafrika bereits im Jahr 1999 und schickte einen Kleinsatellit namens „Sunset“ ins Weltall. Seitdem haben vier weitere Länder unterhalb der Sahara eigene Weltraumprogramme realisiert: Kenia, Ghana, Angola und Nigeria. Die Zahl der afrikanischen Satelliten im Weltraum ist damit auf mehr als ein Dutzend gestiegen. Weitere dürften hinzu kommen, wenn Äthiopien – wie angekündigt – im nächsten Jahr ebenfalls eigene Technik ins All schicken möchte. Doch die Entwicklung einer eigenen Raumfahrt in Afrika ruft immer wieder auch Kritik hervor. Denn die Programme kosten viel Geld – das nach Meinung der Kritiker deutlich besser investiert werden könnte. 3 Gründe sprechen allerdings dafür, dass eigene Satelliten im Weltall für afrikanische Staaten durchaus eine sinnvolle Investition sein können.


CubeSats vor der Internationalen Raumstation

1. Schutz der vorhandenen Infrastruktur

Natürlich erscheint es auf den ersten Blick merkwürdig, Satelliten ins All zu schießen, wenn das Strom- und Straßennetz teilweise in einem erschreckenden Zustand ist. Tatsächlich kann der Blick aus dem Weltall aber dafür sorgen, dass die vorhandene Infrastruktur besser geschützt wird. Dadurch wiederum werden dann auch Investitionen in neue Straßen und Stromleitungen wahrscheinlicher. Ein Beispiel dafür ist das von Südafrika genutzte „Advanced Fire Information System“, das Buschbrände frühzeitig entdeckt und so im Idealfall größere Schäden an der Infrastruktur vermeidet. Noch stammen die ausgewerteten Bilder zwar von europäischen und amerikanischen Satelliten. Durch den Aufbau eigener Kapazitäten könnte Südafrika aber noch weitere ähnliche Schutzprogramme installieren.

2. Kampf gegen die Kriminalität

Gerade in großen Flächenländern wie Südafrika und Nigeria kann der Staat keine engmaschige Kontrolle von unbewohnten Gebieten gewährleisten. Mithilfe von Satellitenbildern lassen sich aber zahlreiche Verbrechen frühzeitig erkennen. Dazu gehören beispielsweise illegale Rodungen oder der unerlaubte Abbau von Bodenschätzen. Nigeria wiederum brachte eigens einen Satelliten ins All, um die weit verzweigten Ölpipelines zu überwachen. Auch im Kampf gegen lokale Milizen und Terrorgruppen sind regelmäßige Bilder aus dem Weltraum sinnvoll, um entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen. Natürlich können dafür auch teilweise Satellitenbilder anderer Staaten genutzt werden. Diese sind aber nur selten auf den afrikanischen Kontinent konzentriert. Eigene Satelliten erschaffen daher ganz neue Möglichkeiten.


3. Die wirtschaftliche Entwicklung

Alleine die Landwirtschaft des Kontinents könnte von mehr Satelliten und den dadurch gewonnenen Daten enorm profitieren. Wenn beispielsweise lokale Regenfälle besser prognostiziert werden könnten, würde dies die Arbeit der Bauern erleichtern und die Lebensmittelproduktion erhöhen. Hinzu kommt: Durch neue technologische Entwicklungen werden Satelliten immer preiswerter. So kommen heute oftmals keine riesigen Kommunikationssatelliten zum Einsatz, sondern sogenannte Cubesats. Diese kleinen Würfel liefern ordentliche Daten und lassen sich vergleichsweise einfach und preiswert herstellen. Die dafür benötigten Ingenieure wiederum können auch lokal ausgebildet werden, sodass seltener auf ausländische Expertise zurückgegriffen werden muss.

Via: Taz

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