Der Airbus A380 ist bis heute nicht nur das größte Passagierflugzeug der Welt, sondern gilt unter Experten auch noch immer als Meisterleistung der Ingenieurskunst. Dennoch bestellten die Fluglinien Qantas und Emirates zuletzt zahlreiche Maschinen ab. Weil Airbus keine neuen Bestellungen generieren konnte, gab der Konzern nun das Ende der Produktion für das Jahr 2021 bekannt. Damit ist auch klar, dass der Riesenflieger die in ihn gesetzten Erwartungen nicht wird erfüllen können. Denn ursprünglich kalkulierte Airbus mit einer Nachfrage von 1.500 Flugzeugen innerhalb von 20 Jahren. Letztlich werden am Ende des Programms aber wohl nur knapp 250 Maschinen verkauft worden sein – obwohl das Flugzeug bei den Passagieren sehr beliebt ist. Doch woran scheiterte der Riesenflieger?


Bild: Roger Green from BEDFORD, UK, derivative work Lämpel [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

1. Der Luftverkehr entwickelte sich anders als erwartet

Die Entscheidung zur Entwicklung des Airbus 380 basierte auf zwei Grundannahmen zur Entwicklung der Luftfahrt. Zum einen wurde davon ausgegangen, dass die Zahl der Passagiere weiter zunehmen würde. Dies trat auch ein. Zum anderen prognostizierten die Manager aber auch, dass die Bedeutung großer Drehkreuze weiter zunehmen würde, weil die Zahl der Start- und Landeslots auf den Flughäfen begrenzt ist. In diesem Fall wären mehr Flugzeuge mit möglichst vielen Sitzen benötigt worden. Tatsächlich aber wuchs in den letzten Jahren vor allem die Bedeutung von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Die Manager beim Konkurrenten Boeing hatten dies so erwartet und daher von Beginn an auf die Entwicklung eines Riesenflugzeugs verzichtet.

2. Nachteile in der Konstruktion

Für die Fluglinien ist nicht nur der Kaufpreis eines Flugzeugs von Bedeutung, sondern sie achten vor allem auch auf niedrige Betriebskosten. In diesem Punkt hat der Airbus 380 allerdings einen gewaltigen Nachteil: Im Gegensatz zu den kleineren Konkurrenten wie dem Airbus A350 werden vier statt zwei Triebwerke benötigt. Dadurch steigt zum einen der Spritverbrauch, zum anderen kommt es aber auch zu einer höheren Fehleranfälligkeit. Der Chef der Airline Qatar Airways verwies zudem kürzlich auf einen weiteren Punkt. Demnach sind die Tragflächen schwerer als nötig, weil sie für eine nie gebaute Langversion konzipiert wurden. Auch dies sorgt für einen höheren Treibstoffverbrauch. Somit waren die Flüge mit dem A380 nur bei voller oder nahezu voller Auslastung rentabel.


3. Mangelnde Flexibilität

Das Flugzeug ist zudem so groß, dass es nicht auf jedem Flughafen landen kann. Vielmehr müssen zunächst größere Umbauten vorgenommen werden, um die Passagierabwicklung zu ermöglichen. Zahlreiche große Flughäfen haben diese Investitionen in den letzten Jahren getätigt – einige aber auch nicht. Im Zweifel scheinen sich die Airline daher lieber für etwas kleinere Modell zu entscheiden, die dafür deutlich flexibler eingesetzt werden können. Die Produktion des Airbus A380 ist zudem so aufwändig, dass der Kaufpreis letztlich vielen Fluglinien nicht attraktiv genug erschien. So kostete eine Maschine laut Listenpreis 445 Millionen Euro. Zwar sind in der Branche hohe Rabatte üblich. Doch im Zusammenspiel mit den ersten beiden Punkten war der hohe Preis letztlich für den Mangel an Bestellungen verantwortlich.

Wie geht es jetzt weiter bei Airbus?

Dem Konzern geht es trotz des gescheiterten Projekts erstaunlich gut. Vor allem die kleineren Maschinen der A320-Familie sorgen für volle Auftragsbücher und hohe Einnahmen. Dadurch lassen sich auch die gewaltigen Verluste des Projekts A380 auffangen. Der Riesenflieger kostete alleine in der Entwicklung zwölf Milliarden Euro. Hinzu kamen in der Produktion jährliche Verluste zwischen 66 Millionen und einer Milliarde Euro. Bitter ist das Aus vor allem für die betroffenen Mitarbeiter. In Deutschland und Frankreich waren rund 3.500 Menschen mit der Produktion des größten Passagierflugzeugs der Welt beschäftigt. Diese müssen sich nun spätestens ab dem Jahr 2021 nach einer neuen Tätigkeit umsehen. Airbus hat allerdings bereits angekündigt, dass es in den meisten Fällen die Möglichkeit eines internen Stellenwechsels geben wird.

Via: Bloomberg

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