Die Atomkatastrophe von Fukushima sorgte in der deutschen Atompolitik für einen drastischen Kurswechsel. Waren die Laufzeiten kurz zuvor noch verlängert worden, entschied sich die Bundesregierung anschließend für die komplette Abschaltung einiger Kraftwerke. Davon betroffen war auch das AKW Biblis in Hessen, das zunächst für drei Monate und dann dauerhaft abgeschaltet wurde. Strom wird dort seitdem nicht mehr produziert, die Strahlung hat sich dadurch aber natürlich nicht einfach verflüchtigt. Dementsprechend kompliziert ist auch der Rückbau des Kraftwerks, der heute von RWE begonnen wird. Aktuell rechnen die Ingenieure mit einem Zeitrahmen von fünfzehn Jahren für das Projekt. Besonders viele Erfahrungswerte auf diesem Gebiet gibt es aber noch nicht. Verzögerungen sind also nicht ausgeschlossen.


In 15 Jahren soll das ehemalige Kraftwerk aus dem Atomgesetz entlassen werden können. Foto: RWE Power

Die Brennstäbe müssen zunächst auf dem Gelände zwischengelagert werden

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Denn bisher gibt es in Deutschland noch kein Endlager für radioaktive Brennstäbe – und es ist auch nicht zeitnah damit zu rechnen, dass ein geeigneter Standort gefunden und eröffnet wird. Die Brennstäbe aus Biblis werden daher zunächst in Castor-Behälter verpackt und dann in einem Zwischenlager auf dem Gelände untergebracht. Hierfür erhielt der Konzern eine Genehmigung bis zum Jahr 2046. Auch der restliche atomar strahlende Abfall wird zunächst auf dem Gelände zwischengelagert. Zumindest die schwach- und mittelradioaktiven Teile sollen dann aber dauerhaft in den Schacht Konrad gebracht werden. Überwacht werden die Arbeiten zum Rückbau des ehemaligen AKWs durch das hessische Umweltministerium.

Der BUND hat gegen die Abbaugenehmigung geklagt

In einem ersten Schritt werden nun alle Einrichtungen und Systeme abgebaut, die nicht verstrahlt wurden und für den weiteren Abbau nicht mehr benötigt werden. Dies soll ausreichend Platz schaffen, um dann die Geräte aufbauen zu können, die notwendig sind, um das eigentliche Kraftwerk nach und nach abzubauen. Der BUND allerdings hat bereits gegen die erteilte Abbaugenehmigung Klage eingereicht. Die Umweltschützer fordern höhere Strahlenschutz-Grenzwerte, um eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen. Noch hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof darüber aber noch nicht entschieden. Das Atomkraftwerk Biblis nahm 1974 den Betrieb auf und besaß eine Gesamtleistung von 2525 Megawatt. Es war damit in diesem Punkt das zweitgrößte Atomkraftwerk in Deutschland.


Via: RWE

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