Die japanische Eisenbahn gilt international als vorbildlich. So erreichen die Schnellzüge namens Shinkansen regelmäßig Rekordwerte in Sachen Durchschnittsgeschwindigkeit und Pünktlichkeit. Dies liegt auch daran, dass immer wieder Geld in die Weiterentwicklung des Schnellzugs investiert wird. So hat der Hersteller Kawasaki Heavy Industries nun einen ersten Prototypen namens Alfa-X präsentiert, aus dem später einmal die nächste Baureihe des Zugklassikers werden soll. Eine der Verbesserungen soll im Bereich der Geschwindigkeit liegen. Aktuell erreichen die japanischen Schnellzüge mit Passagieren an Bord ein Tempo von maximal 320 Stundenkilometern. Zukünftig soll die Spitzengeschwindigkeit im normalen Betrieb bei 360 Stundenkilometern liegen. Theoretisch ist sogar noch mehr möglich: Während der im Mai beginnenden Testfahrten wird Alfa-X sogar auf bis zu 400 Km/h beschleunigen.


Bild: Kyodo News (Youtube-Screenshot)

Die Ingenieure haben noch mehr als zehn Jahre Arbeit vor sich

Betrachtet man den Prototypen, so ist besonders eine Sache auffällig: Der erste und der letzte Wagen verfügen jeweils über eine sehr lang gezogene Nase. In konkreten Zahlen ausgedrückt, bedeutet dies: Auf der Vorderseite ist der lange gezogene Flachteil 16 Meter lang. Beim abschließenden Wagen sind es sogar 22 Meter. Diese – zumindest in diesem Ausmaß – etwas ungewöhnliche Konstruktionsform, soll vor allem bei Tunneleinfahrten Vorteile mit sich bringen. Die Ingenieure hoffen, dass sich dadurch der sogenannte Tunnelknall und der dadurch entstehende Druck verringern lassen. Ob sich dieser Effekt in der Praxis aber auch tatsächlich einstellt, müssen die Testfahrten erst noch unter Beweis stellen. Unter Zeitdruck stehen die Entwickler aber noch nicht: Die Inbetriebnahme der neuen Züge auf der Strecke Tokio-Sapporo ist erst für das Jahr 2031 geplant.

Der neue Zug soll noch besser für Erdbeben gerüstet sein

Der Zielort Sapporo deutet allerdings auf eine weitere Herausforderung hin. Sportfans wissen: Dort fanden die Olympischen Winterspiele 1972 statt. Dementsprechend muss der neue Zug im Winter zum Teil auch mit sehr niedrigen Temperaturen zurecht kommen. Außerdem werden alle Shinkansen-Züge an die speziellen geologischen Besonderheiten der japanischen Inseln angepasst. So existiert bereits heute ein Notbremssystem, dass die Züge im Falle eines Erdbebens extrem schnell stoppt. Nun wurde zusätzlich eine Dämpfung entwickelt, um in einem solchen Fall die Entgleisung der Waggons zu verhindern. Anlass dafür dürfte ein Erdbeben der Stärke 6,4 im Jahr 2004 gewesen sein, bei dem erstmals ein Shinkansen entgleiste. Auch diese neue Technologie soll bei Testfahrten nun ausgiebig getestet werden. Schon bisher gelten die japanischen Züge aber als eines der sichersten Verkehrsmittel der Welt: Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1964 kam es zu keinem tödlichen Unfall mit dem Shinkansen.


Via: Japan Times

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.