Alkoholismus ist nicht nur für Betroffene, sondern auch für deren Umfeld sehr belastend. Wer einmal betroffen war, der ist immer rückfallgefährdet, und viele werden ihre Sucht nie mehr los. Eine neue Studie gibt nun Hoffnung, dass menschliche Stammzellen unter Umständen eine schnelle Heilung für Alkoholismus bieten können.


Suchtverhalten korreliert mit Entzündungserscheinungen im Gehirn

Für ihre Studie haben die Forscher extra alkoholabhängige Ratten gezüchtet. Diese wurden erfolgreich mit mesenchymalen Stammzellen von Menschen behandelt, was die Hypothese unterfüttert, dass Stammzellen eine Therapieform für unterschiedliche Süchte sein können.


In letzter Zeit gab es diverse Studien und Untersuchungen, die nahelegten, dass chronischer Konsum von Drogen wie etwa Alkohol, Kokain und Opiate mit kleineren Entzündungsreaktionen im Gehirn verbunden sind.

2017 konnten ein Team von der University of Chile zeigen, dass intrazerebrale Injektionen von mesenchymalen Stammzellen bei alkoholsüchtigen Ratten deren Alkoholkonsum drastisch senken konnten. Das Problem an dieser Studie war, dass Injektionen direkt ins Gehirn natürlich ein gewisses Risiko mit sich bringen. Klinische Studien mit menschlichen Probanden waren zu diesem Zeitpunkt daher noch ausgeschlossen. Da mesenchymale Stammzellen recht große Moleküle sind, können sie bei intravenösen Injektionen die Blut-Hirn-Schranke nicht ausreichend gut durchdringen.

Neue Therapie für Alkoholismus?

Für die neue Studie verwendeten die Forscher nun eine Methode, die mesenchymale Stammzellen in eine um 75 Prozent kleinere Form überführt, sodass sie besser durch die Blut-Hirn-Schranke kommen. Die Ergebnisse waren vielversprechend: „When a single dose of small-sized cells was injected intravenously, it reduced brain inflammation and the oxidative stress in the animals that had consumed alcohol chronically. Brain inflammation and oxidative stress are known to self-perpetuate each other, creating conditions which promote a long-lasting relapse risk„, so Yedy Israel, einer der Autoren der Studie.

Innerhalb von 48 Stunden nach einer einzigen, intravenösen Stammzellen-Injektion sank der Alkoholkonsum der Ratten um 90 Prozent. Außerdem zeigten die Gehirne der Tiere deutlich weniger Anzeichen von Entzündungsreaktionen. Die Effekte hielten etwa 3 bis 5 Wochen an.

Die Studie der Forscher ist eine wichtige Entwicklung in der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen neuronalen Entzündungserscheinungen und Suchtverhalten. Im nächsten Schritt wollen Israel und sein Team klinische Studien mit menschlichen Probanden durchführen um zu überprüfen, ob die Ergebnisse auf Menschen übertragen werden können und sich daraus langfristig eine Therapie für Alkoholismus entwickeln lässt.

via ResearchGate

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